Willkommen, liebe Sorgen!

12. Oktober 2017
 

Zugegeben: Es fühlt sich nicht sonderlich gut an, wenn man oft reizbar, nervös und ängstlich ist, wenn einen gleich der Frust packt, sobald es mal nicht so läuft, wenn man rasch beleidigt reagiert und wenn man sich ständig Sorgen macht oder schämt. Doch dieser Persönlichkeitszug, den Psychologen „Neurotizismus“ nennen, hat auch sein Gutes. Zum Beispiel kann er eine Art Lebensversicherung sein, wie Forscher der Universitäten von Edinburgh und Southampton jetzt in einer großen Langzeitstudie bestätigt haben.

502.655 Personen im Alter zwischen 37 und 73 Jahren wurden über ihre Persönlichkeit und Gesundheit befragt. Gut sechs Jahre später waren 4497 von ihnen verstorben. Die britischen Untersucher stellten fest, dass „neurotische“ Teilnehmer ein etwas geringeres Ausgangsrisiko hatten, in dieser Gruppe zu landen – jedenfalls diejenigen unter ihnen, die ihren Gesundheitszustand als bedenklich einschätzten. Ihr innerer Alarmismus machte sie wohl „wachsam gegenüber ihrer Gesundheit“, vermutet Hauptautorin Catherine Gale. Vor allem die Neigung zu Verletzlichkeit und Sorgenmachen erwies sich als Schutzfaktor – und zwar selbst dann, als die Forscher gesundheitsschädliche Verhaltensweisen wie Rauchen, Alkohol, schlechte Ernährung und wenig Bewegung ausklammerten.

TSA/AB

Catherine R. Gale u.a.: When Is higher neuroticism protective against death? Findings from UK Biobank. Psychological Science, 28/9, 2017. DOI: 10.1177/0956797617709813

Dieser Beitrag ist in etwas abgewandelter Form in der aktuellen November-Ausgabe von Psychologie Heute erschienen, Titelthema "Selbstsabotage: Warum Sie sich manchmal selbst im Weg stehen und was Sie dagegen tun können"

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