Zu faul fürs Glück?

19. Mai 2017
 

Entspannung statt Ekstase: Wir wissen zwar, was uns zufriedenstellt - nur fehlt uns oft die Energie, es auch umzusetzen. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie aus den USA.

Psychologen wissen es schon lange: Der Mensch findet gerade in jenen Tätigkeiten anhaltende Erfüllung, die ihn herausfordern und ihm Einsatz und Mühe abverlangen – etwa künstlerische Betätigung, Sport auf fortgeschrittener Ebene oder das Beherrschen eines Musikinstruments.

Dennoch verbringen die meisten von uns ihre Freizeit lieber mit gemütlichem Nichtstun. Aller Anfang ist offenbar so schwer, dass viele von uns auf Tätigkeiten verzichten, die uns glücklich machen könnten. Dies belegt eine amerikanische Studie.

Die Wissenschaftler interessierte die Frage: "Wissen die Menschen überhaupt, welche Aktivitäten sie langfristig glücklich machen können?" Dazu befragten sie knapp 300 Probanden online zu ihrer Freizeit.

Viel Aufwand bedeutet viel Glück

Im Mittelpunkt standen 36 Aktivitäten, etwa Meditation, Menschen in Not helfen oder Internetsurfen und Nichtstun. Die Teilnehmer sollten unter anderem angeben, wie viel Freude ihnen die jeweilige Tätigkeit bereitet, wie anstrengend sie ist und wie viele Male pro Woche sie dieser Aktivität nachgehen. Anschließend gaben sie an, welche der Beschäftigungen langfristig glücklich machen.

Das Ergebnis: "Unsere Teilnehmer wussten durchaus, dass gerade jene Tätigkeiten, in die man viel Arbeit und Energie investieren muss, ein beständiges Glücksgefühl bieten können", berichten die Forscher. "Sie waren sich auch dessen bewusst, dass anstrengungslose Zeitvertreibe wie das Surfen im Internet keine emotionale Erfüllung vermitteln." Dennoch gingen die Probanden in ihrer Freizeit lieber den bedeutungslosen und weniger aufwendigen, also eher passiven "Aktivitäten" nach.

Lieber entspannt als zufrieden

Die Frage nach dem Warum beantworten die Studienautoren mit Startschwierigkeiten: Den Teilnehmern falle der erste Schritt einfach zu schwer, einen Anfang zu finden, scheint für sie zu mühsam zu sein. Die Forscher sprechen von einem Glücksparadoxon: Menschen wissen sehr wohl, wie sie ihr Glück schmieden können – trotzdem tun sie oft genau das Gegenteil.

Anna Gielas/ EMT

L. Parker Schiffer, Tomi-Ann Roberts: The paradox of happiness: Why are we not doing what we know makes us happy? The Journal of Positive Psychology, 2017. DOI: 10.1080/17439760.2017.1279209 (Abstract)

Dieser Beitrag ist in leicht veränderter Form in der Ausgabe 06/2017 von Psychologie Heute erschienen, Titelthema "Konzentrieren Sie sich!". Weitere Meldungen zu interessanten aktuellen Studien finden Sie im Heft unter anderem in den Rubriken Themen & Trends sowie Körper & Seele.

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