Wie geht Nachhaltigkeit?

04. Mai 2017
 

Umfangreiches Wissen über Nachhaltigkeit kann es erschweren, selbst so zu leben, stellen die Ökonomin Cristina Longo und ihre Forscherkollegen in einer Studie fest. Sie führten 18 Tiefeninterviews mit Menschen, die sich bewusst für ein nachhaltiges Leben entschieden haben und sich ehrenamtlich engagieren, etwa in den Bereichen Lebensmittel, Konsum, Energie oder Transport. Die Forscher begleiteten die Teilnehmer auch einige Zeit in ihrem Alltag.

Das Ergebnis: Je tiefer das Wissen der Interviewten über Nachhaltigkeit und je besser sie eventuelle negative Folgen ihres Verhaltens kennen, desto leichter geraten sie in ein inneres Dilemma, fühlen sich hin- und hergerissen oder haben Schuld- und Versagensgefühle.

Eine Befragte beschreibt es so: „Wenn ich Bohnen aus Kenia kaufe, dann ist der weite Transport umweltschädlich, aber zugleich sind die Menschen in Kenia darauf angewiesen, dass ich ihre Bohnen kaufe.“

Die Forscher empfehlen allen an der Nachhaltigkeit interessierten Konsumenten, Organisationen oder Herstellern, sich zusammenzuschließen und gemeinsam dafür einzusetzen – dies beruhige diejenigen, die das Gefühl haben, an der Nachhaltigkeit zu scheitern.

SAC / AB

Cristina Longo u.a.: "It’s not easy living a sustainable lifestyle”: How greater knowledge leads to dilemmas, tensions and paralysis. Journal of Business Ethics, 2017. DOI: 10.1007/s10551-016-3422-1

Dieser Beitrag ist in etwas abgewandelter Form in der aktuellen Mai-Ausgabe  von Psychologie Heute erschienen, Titelthema "Nichts zu bereuen! Sich verpasste Chancen verzeihen. Den Sinn im Versäumten erkennen".

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