Intelligenz allein schafft keinen Wohlstand, wie jetzt ein Forscherteam der Ohio State University feststellen musste. Intelligente Menschen haben zwar im Schnitt ein etwas höheres Einkommen als weniger kluge Leute. Doch es gelingt ihnen selten, daraus Profit zu schlagen und Vermögenswerte aufzubauen. Damit nicht genug: Sehr intelligente Menschen geraten sogar relativ häufig in finanzielle Engpässe.
Die Wissenschaftler um Jay Zagorsky griffen bei ihrer Analyse auf Daten einer großen Längsschnittstudie zurück: In der „National Longitudinal Survey of Youth“ wird seit dem Jahr 1979 eine repräsentative Stichprobe von Erwachsenen auf ihrem Werdegang beobachtet und in regelmäßigen Abständen befragt. Die Probanden sind inzwischen Mitte 40.
Zwar bestätigte sich in der Studie, dass die intelligenteren unter den Teilnehmern mehrheitlich besser bezahlte Jobs gefunden hatten: Statistisch bringt jeder zusätzliche IQ-Punkt einen jährlichen Einkommensbonus zwischen 202 und 616 Dollar. Allerdings schlägt sich dieser Vorteil kaum im Vermögen nieder: Wie sich herausstellte, waren die intelligenteren Teilnehmer nicht nennenswert wohlhabender als ihre Kollegen mit unterdurchschnittlichem IQ.
Ferner erwies sich, dass Intelligenz keineswegs vor einem Absturz ins finanzielle Desaster schützt. Im Gegenteil: Im Umgang mit Geld geht zu viel Grips sogar mit einem höheren Risiko einher. Die Forscher ermittelten Zahlungsengpässe ihrer Probanden anhand dreier Kriterien: Hatten sie mindestens eine ihrer Kreditkarten überzogen? Häuften sich unbeglichene Rechnungen an? Und: Hatten sie schon einmal einen Konkurs anmelden müssen?
Betrachtet man den Zusammenhang zwischen diesen Finanzrisiken einerseits und der Intelligenz andererseits, so ergibt sich kein gerader, sondern ein ziemlich kurviger Verlauf: Zum Beispiel steigt der Prozentsatz der Leute, die ihre Kreditkarten überziehen, von 7,7 Prozent bei Probanden mit einem sehr niedrigen IQ unter 75 auf 12,1 Prozent bei den leicht unterdurchschnittlich Intelligenten mit einem IQ um 90. Von dieser Marke an sinkt das Überschuldungsrisiko nun aber und erreicht bei einem IQ von 115 einen Tiefpunkt von 5,4 Prozent.
Bei den Personen mit sehr viel Grips geht die Tendenz dann jedoch wieder in Richtung zerrütteter Finanzen. Bei den Allerklügsten mit einem IQ über 125 überziehen 6 Prozent ihre Kreditkarten, und sogar 11 Prozent zahlen ihre Rechnungen bisweilen unpünktlich. „Was das Vermeiden finanzieller Schwierigkeiten angeht, scheinen Leute mit einem IQ leicht über dem Durchschnitt am besten dazustehen“, fasst Zagorsky zusammen. Noch mehr Intelligenz ist dann eher schädlich.
Zagorskys Fazit: Klugheit allein macht einen Menschen nicht wohlhabend. Man schaue sich nur ihn und seinesgleichen an: „Professoren sind meist sehr intelligente Leute. Aber wenn Sie einen Blick auf die Universitätsparkplätze werfen, werden Sie feststellen, dass die Rolls-Royces und Porsches nicht eben zahlreich vertreten sind. Stattdessen sehen Sie eine Menger alter, billiger Kisten.“