Deutschland hat fast 5 Millionen Arbeitslose, trotz vieler Versprechungen scheint eine Besserung nicht in Sicht. Keinen Job zu haben kann krank machen. Doch eine aktuelle Studie zeigt, dass auch der soziale Abstieg, der damit häufig verbunden ist, bei Männern zu behandlungsbedürftigen psychischen Störungen führen kann.
Die britischen Forscher Paul Tiffin, Mark Pearce und Louise Parker untersuchten, wie sich der sozioökonomische Status auf die psychische Gesundheit im 50. Lebensjahr auswirkt. Hierzu analysierten sie die Daten von 503 Männern und Frauen aus Newcastle, die 1947 geboren wurden. Die Probanden hatten in regelmäßigen Abständen Fragebögen zu ihrer Gesundheit ausgefüllt und außerdem Auskunft über ihre Einkünfte und Lebensverhältnisse gegeben.
18 Prozent der Männer und 25 Prozent der Frauen hatten mit 50 Jahren eine behandlungsbedürftige psychische Störung. Die Schichtzugehörigkeit bei der Geburt beeinflusste nur die psychische Gesundheit der Frauen, nicht die der Männer. Bei den Männern waren diejenigen häufiger psychisch krank, die im Laufe ihres Lebens einen sozialen Abstieg verkraften mussten.
„Frauen sind sensibler für Nachteile in der frühen Kindheit, Männer reagieren hingegen empfindlich auf den Mangel an sozioökonomischem Erfolg“, lautet das Fazit der Forscher. Sie vermuten, dass zwei Mechanismen bei der Verbindung zwischen Status und psychischer Gesundheit mitwirken. Erstens die soziale Verursachung: Menschen der unteren sozialen Schichten haben mit schlechteren finanziellen und sozialen Bedingungen zu kämpfen, und dies macht sie anfälliger für psychische Probleme. Zweitens die soziale Selektion: Wer psychische Probleme hat, dem fällt es schwerer, einen hohen sozialen Status zu halten oder aus einer niedrigen Schicht aufzusteigen, weil er in seinem sozialen und beruflichen Leistungen beeinträchtigt ist.