Der Boss meint es vielleicht gut und will seine Mitarbeiterinnen motivieren. Aber nicht jede Anerkennung wirkt sich positiv aus, wie jetzt eine amerikanische Studie zeigen konnte: Wenn ein Chef Geschlechtsstereotype vertritt und seine Mitarbeiterinnen großzügig lobt, ihnen jedoch keine Ressourcen zukommen lässt, wie etwa eine Beförderung oder Gehaltserhöhung, untergräbt er damit deren Leistung.
Theresa Vescio, Sarah Gervais, Mark Snyder und Ann Hoover führten zwei Experimente durch, an denen insgesamt rund 300 Probanden teilnahmen. Im ersten fanden sie heraus, dass männliche Chefs ihre weiblichen Untergebenen häufig lobten, ihre Leistung jedoch ansonsten nicht honorierten. Diese Mitarbeiterinnen erhielten so letztlich zwar mehr verbale Anerkennung, aber weniger tatsächliche „Belohnungen“ als ihre männlichen Kollegen.
Im zweiten Experiment wurde untersucht, welche Wirkung dieses so genannte gönnerhafte Verhalten (Lob ohne Ressourcen) eines Chefs auf die betreffenden Mitarbeiter hat. Sowohl Männer als auch Frauen, die gelobt wurden, ohne zugleich eine bessere Stellung zu bekommen, waren ärgerlich. Der Ärger wirkte sich jedoch bei Männern und Frauen unterschiedlich aus: Die Frauen, die gönnerhaft behandelt wurden, schnitten in einer kognitiven Aufgabe schlechter ab als die anderen Probanden – obwohl sonst Männer und Frauen gleich gut waren. Sogar Probandinnen, die der Chef weder mit Lob noch mit einer interessanten Stellung bedachte, zeigten im Test bessere Leistungen als jene Frauen, die bloß gönnerhaft gelobt, nicht aber gefördert worden waren. Bei den Männern war es erstaunlicherweise genau umgekehrt: Hier waren diejenigen am besten, die eine niedrige Stellung hatten und gelobt wurden. Die Forscher führen dies darauf zurück, dass die Frauen im Gegensatz zu ihren Kollegen nicht davon ausgingen, bessere Leistungen würden ihre Situation verändern, da der vorurteilsbehaftete Chef sowieso mit zweierlei Maß messe.
Gönnerhaftes Verhalten männlicher Chefs schafft Geschlechtsunterschiede in der Leistung, die sonst nicht bestehen. Die Mitarbeiterinnen empfinden den Beifall als heuchlerisch. Es entsteht ein Teufelskreis der Diskriminierung: Die männlichen Chefs haben Vorurteile gegenüber ihren weiblichen Mitarbeiterinnen, behandeln sie „gönnerhaft“ – und rufen dadurch genau die geschwächte Leistung hervor, die sie von ihnen erwartet hatten.