Rund um den Globus sind die Menschen heute glücklicher als noch vor 26 Jahren. Das ergab eine Auswertung von Daten des World Values Survey, der weltweit umfangreichsten Studie über menschliche Werte. Demnach ist das Glücksgefühl zwischen 1981 und 2007 in 40 von 52 untersuchten Ländern gestiegen. Im Durchschnitt bezeichnen sich heute fast sieben Prozent mehr als damals als „sehr glücklich“. Nur in 12 Ländern ist der Wert gesunken – darunter auch in Deutschland.
Mit dem World Values Survey ermitteln Sozialforscher seit mehreren Jahrzehnten neben der Entwicklung der Werte auch das Glücksempfinden der Menschen. In den letzten 26 Jahren fragten sie mehr als 350.000 Teilnehmer, wie glücklich sie seien und wie zufrieden sie insgesamt mit ihrem Leben seien.
Den Spitzenplatz unter den Glückspilzen nehmen die Dänen ein, das Schlusslicht bildet Simbabwe. Deutschland liegt im Mittelfeld, andere europäische Länder wie die Schweiz, Island und die Niederlande schaffen es unter die Top Ten. Die USA kommen auf einen guten 16. Platz, direkt hinter Neuseeland.
Die Forscher zeigten sich durchaus überrascht über die Zunahme des allgemeinen Glücksgefühls: „Bisherige Studien haben gezeigt, dass das Glücksempfinden über die Zeit stabil bleibt“, sagt Ronald Inglehart von der amerikanischen University of Michigan, der den World Values Survey leitet. Unerwartete positive oder negative Ereignisse, wie etwa ein Lotteriegewinn oder eine Krebsdiagnose, hätten zwar einen kurzfristigen Effekt – langfristig würden Menschen aber wieder zu ihrem ursprünglichen Glückslevel zurückkehren.
Den globalen Aufwärtstrend erklären sich die Forscher mit den wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte. Ärmere Länder wie etwa Indien hätten ein beachtliches wirtschaftliches Wachstum zu verzeichnen, was sich auch auf die Zufriedenheit auswirke. Und in vielen Ländern mit mittlerem Einkommen habe sich eine demokratische Staatsform etabliert, die den Menschen mehr Freiheiten lasse, etwa in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. In der Ukraine, Moldawien, Slowenien und Russland sind denn auch sowohl Glücksempfinden als auch Zufriedenheit mit am stärksten gestiegen.
In wirtschaftlich starken Industrieländern lasse vor allem die Gleichstellung der Frau sowie die zunehmende Toleranz gegenüber ethnischen Minderheiten und homosexuellen Männern und Frauen das Glücksniveau steigen.
Generell seien Einwohner reicher Länder zwar glücklicher als die armer Länder. Aber: „Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass die glücklichsten Gesellschaften diejenigen sind, die ihren Mitgliedern die Freiheit lassen, ihr Leben so zu gestalten, wie sie es möchten“, so Inglehart.
In einer zweiten Auswertung von Daten, die in 24 der teilnehmenden Staaten bereits seit 1946 erhoben wurden, zeigt sich in nur vier Ländern ein negativer Trend: in Österreich, Belgien, Großbritannien und Westdeutschland. Woran das liegen könnte, darüber machen die Forscher allerdings keine genaueren Angaben.