Ein häufiger Konsum von Arztserien könnte bei Zuschauern zu gesteigerter Krankheitsangst führen. Diese Befürchtung legt eine belgische Studie nahe, die am Beispiel von Jugendlichen den psychischen Spuren nachging, die Kliniksoaps bei den Zuschauern hinterlassen.
Die Forscher um Jan Van Mierlo von der Hasselt University wollten wissen, ob das Fernsehen die Wahrnehmung der eigenen Gesundheit beeinflusst. Für ihre Studie befragten sie 1300 Teenager zu ihren Fernsehgewohnheiten und zu ihren Krankheitsängsten.
Das Ergebnis: Von denjenigen, die häufig Krankenhaus- oder Arztserien ansahen, litten zehn Prozent mehr unter gesteigerter Krankheitsangst als von denjenigen, die Sendungen anderen Inhalts bevorzugten. Mädchen waren dabei stärker betroffen als Jungen, und die Ängste nahmen mit dem Alter der Befragten zu.
„Jugendliche beschäftigen sich viel mit sich selbst, auch aufgrund der starken Veränderungen, die ihr Körper in der Pubertät durchmacht“, erklärt die Psychologin Cynthia MCVey von der schottischen Glasgow Caledonian University. „Deshalb sind sie besonders empfänglich für Sorgen um die eigene Gesundheit.“
Nicht ganz klar ist jedoch die Richtung des Einflusses. So könnte es auch sein, dass Jugendliche, die sich oft Sorgen um die eigene Gesundheit machen, sich von vornherein stark für medizinische Themen interessieren und daher besonders gern Arztserien ansehen. Ein angststeigernder Einfluss dieser Sendungen ist durch die Untersuchung also nicht eindeutig nachgewiesen.
Serien mit medizinischem Inhalt werden immer wieder dafür gelobt, die Aufmerksamkeit für seltene Krankheiten und außergewöhnliche medizinische Fälle zu erhöhen. Andererseits wird die oft unrealistische Darstellung kritisiert, etwa von Herzinfarkten und den sich anschließenden Wiederbelebungsmaßnahmen.
Nichtsdestoweniger sind Krankenhaus- und Arztserien beim Fernsehpublikum sehr beliebt. In Deutschland etwa sehen regelmäßig über zwei Millionen Menschen die US-Serie „Grey’s Anatomy – Die jungen Ärzte“.