Eine kognitive Verhaltenstherapie bei einem erfahrenen Therapeuten hilft gegen mittelschwere bis schwere Depressionen genauso gut wie Antidepressiva. Zu diesem Ergebnis kam jetzt eine Studie amerikanischer Forscher um Robert J. DeRubeis, die die Wirkung von Antidepressiva und kognitiver Verhaltenstherapie bei mittelschweren bis schweren Depressionen verglichen (Archives of General Psychiatry, Bd. 62/4,2005). Damit wird die gängige Praxis in Frage gestellt, stärkere Depressionen bevorzugt mit Antidepressiva zu behandeln, wie dies auch die American Psychiatric Association empfiehlt.
An der Untersuchung nahmen 240 Patienten zwischen 18 und 70 Jahren teil, die zum ersten Mal wegen einer mittelschweren oder schweren Depression in Behandlung waren. Die Betroffenen wurden zufällig einer von drei Gruppen zugewiesen: Sie erhielten über 16 Wochen entweder ein Antidepressivum (Paroxetin), ein Placebo oder kognitive Verhaltenstherapie. Die Therapiesitzungen dauerten jeweils 50 Minuten und fanden in den ersten vier Wochen jeweils zweimal wöchentlich statt, in den nächsten acht Wochen ein- bis zweimal, und in den letzten vier Wochen hatten die Patienten einmal wöchentlich eine Sitzung. Die Medikation wurde nach 8 Wochen überprüft und gegebenenfalls angepasst.
Nach 16 Wochen hatte sich der Krankheitszustand bei beiden Gruppen gleich stark verbessert. „Eine kognitive Verhaltenstherapie, die durch einen erfahrenen Therapeuten durchgeführt wird, kann genauso effektiv sein wie Antidepressiva, sogar bei schwereren ambulanten Fällen“, schließen die Forscher. Ob die Psychotherapie tatsächlich ebenso wirksam ist wie eine Behandlung mit Antidepressiva, ist allerdings stark von den Fähigkeiten des Therapeuten abhängig.
Bisherige Studien zeigen, dass der Erfolg einer kognitiven Verhaltenstherapie länger anhalten kann als die positive Wirkung von Medikamenten allein: Die Patienten erlernen Fähigkeiten, um mit den Lebensumständen, Gewohnheiten und Denkmustern besser umzugehen, die eine Depression auslösen und aufrechterhalten können.