Zwischen den Kommunikationswelten der Generationen hat sich ein immer breiter werdender Graben aufgetan, wie eine Bevölkerungsumfrage des Allensbach-Instituts zeigt. Beim Austausch mit Freunden bevorzugen Jung und Alt unterschiedliche Medien. Dies hat dazu geführt, dass auch Stil und Inhalt der Kommunikation immer mehr voneinander abweichen.
Befragt wurden knapp 2000 repräsentativ ausgewählte Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet. Während zwei Drittel der 30- bis 44-Jährigen und rund 70 Prozent der Personen über 45 das persönliche Gespräch als die angenehmste Form empfinden, um sich mit anderen auszutauschen, ist dies nur bei der Hälfte der 20- bis 29-Jährigen der Fall.
Bei den noch Jüngeren, den Teenagern zwischen 14 und 19 Jahren, bevorzugen sogar nur 36 Prozent den Dialog von Angesicht zu Angesicht. Stattdessen wird lieber ausgiebig telefoniert, gesimst (SMS verschickt), gemailt und vor allem gechattet: Zwei Drittel der unter 20-Jährigen gaben an, dass sie sich gern in Chatrooms mit ihrer Clique treffen und per Tastatur miteinander quatschen.
Das Internet hat tatsächlich zu einer Renaissance der schriftlichen Kommunikation geführt. Zwar schreiben nur 11 Prozent der jungen Leute unter 20 gern Briefe, 47 Prozent jedoch mit Leidenschaft E-Mails. Damit kommunizieren sie weitaus mehr auf schriftlichem Wege als die mittlere oder ältere Generation. Von den 60-Jährigen und Älteren verfassen gerade einmal drei Prozent bereitwillig E-Mails – aber auch nur noch bescheidene 20 Prozent dieser Jahrgänge schreiben gern Briefe.
Doch nicht nur die Wege der Kommunikation unterscheiden sich zwischen Jung und Alt, sondern auch deren Stil: Die Medien, über die wir kommunizieren, beeinflussen, was und wie wir uns ausdrücken. Dies zeigte eine getrennte Analyse der Antworten zweier Gruppen von 14- bis 19-Jährigen: Die einen hielten mit ihren Freunden besonders gern via SMS Kontakt, die anderen bevorzugten andere Kommunikationswege. Wie sich herausstellte, waren die SMS-Fans wesentlich hektischer. Jeder dritte jugendliche SMS-Anhänger wurde bei längeren Gesprächen schnell ungeduldig, dagegen nur jeder Fünfte von den Gleichaltrigen, die lieber auf anderem Wege kommunizieren.
Diese dem SMS-Gedaddel skeptisch gegenüberstehenden Teenager wiederum wunderten sich häufig über die Oberflächlichkeit und Belanglosigkeit vieler Gespräche. Sie selbst gaben in ihren Gesprächen, Telefonaten und Mails eher auch Persönliches von sich preis. Und sie vertraten häufig eine feste eigene Ansicht, waren „Meinungsführer“.
Generell dominieren „Nahthemen“ die persönliche Kommunikation. Drei Viertel der gesamten Bevölkerung unterhalten sich häufiger über Neuigkeiten aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, 66 Prozent über Ereignisse des Alltags, 62 Prozent über die Familie, 58 Prozent über Beruf, Urlaub und Reisen. Auch medizinische Fragen, Neuigkeiten aus der Nachbarschaft und aus der näheren Umgebung, Ernährung und Zukunftspläne zählen zu den Themen, die der Bevölkerungsmehrheit mitteilenswert scheinen. Politik und Wirtschaft oder auch Umweltthemen spielen demgegenüber eine deutlich untergeordnete Rolle – es sei denn in einer weltpolitischen Ausnahmesituation, wie wir sie momentan erleben. In jüngster Zeit führten der neue amerikanische Präsident und die Wirtschaftskrise die Gesprächsthemen an.
So gern die große Mehrheit über eigene Erlebnisse und Erfahrungen spricht, gibt es gleichwohl Tabufelder, über die die meisten kaum mit anderen sprechen mögen, selbst mit guten Freunden und engen Angehörigen nicht. Obwohl in den Medien immer wieder die „Enttabuisierung der Intimsphäre“ beschworen wird, steht die Sexualität ungebrochen an der Spitze eben jener Themen, über die man lieber nicht spricht. Diese Scheu hat sich in den letzten Jahren sogar verstärkt. 2005 zählten 61 Prozent der Bevölkerung Sexualität zu den Themen, über die man sich nur ungern mit anderen austauscht, heute sind es 64 Prozent.
Auch die Abneigung, über Beziehungsprobleme mit anderen zu kommunizieren, hat zugenommen. Dies gilt desgleichen für den Wunsch, die finanzielle Intimsphäre abzuschotten: 61 Prozent der Bevölkerung möchten mit anderen nicht über ihre finanzielle Lage sprechen, 48 Prozent auch dann nicht, wenn sie ausgesprochene Geldsorgen haben. Lediglich die jungen Frauen und Männer unter 20 Jahren sind in dieser Beziehung wesentlich unbefangener und benennen insgesamt weniger Tabuthemen.