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Die besten Lieder meines Lebens

„There are places I’ll remember all my life”, heißt es in einem alten Song der Beatles. Doch nicht nur an bestimmte Orte, die einem einmal viel bedeutet haben, erinnert man sich sein Leben lang. Auch manche Lieder und Musikstücke wie etwa besagter Song der Beatles können oft ein ganzes Leben lang präsent sein.

Welche Stücke auch nach Jahrzehnten noch im Ohr klingen und welche Erinnerungen mit ihnen verbunden sind, wird jetzt im Rahmen des internationalen Forschungsprojekts „My Top Ten“ untersucht. Initiiert wurde es von David Aldridge von der Universität Witten/Herdecke. Bei der internationalen Studie werden Menschen im Alter ab 60 Jahren nach den wichtigsten Musikstücken in ihrem Leben gefragt. Die Ergebnisse sollen auch in die musiktherapeutische Praxis einfließen – zum Beispiel in Form von kommentierten Musiksammlungen, die sich für die therapeutische Arbeit mit älteren Menschen, meist Demenzerkrankten, eignen.

Die Datenerhebung geschieht bewusst im Dialog der Generationen. Junge sprechen mit Älteren über deren musikalische Erinnerungen. Mit der Verbreitung des Musikfernsehens entsteht immer mehr ein globaler Einheitssound. Landes- oder regionaltypische Musik droht darüber in Vergessenheit zu geraten. Im Rahmen der My-Top-Ten-Studie können junge Menschen auch etwas über ihre eigene Kultur erfahren, indem sie die Musikerfahrungen vorausgehender Generationen kennen lernen.

Für eine Vorstudie in Deutschland wurden Bewohner von Altenheimen interviewt. Die Ergebnisse belegen, dass die Senioren Musik vor allem mit einem Gemeinschaftserlebnis verbanden. Es wurde zusammen gesungen und musiziert, zu Weihnachten, bei Hochzeiten, Geburtstagen oder anderen Festen im Freundes- und Familienkreis.

Die Frage nach konkreten Lieblingsliedern blieb von diesen Befragten jedoch meist unbeantwortet. Stattdessen nannten sie Gattungen von Musik, meist Volkslieder, ohne sich auf Favoriten festlegen zu wollen. „Wahrscheinlich ist es doch eine relativ junge Entwicklung, in Kategorien wie Lieblingssongs zu denken“, meint Aldridge. „Die heute 70- oder 80-Jährigen sind nicht mit Hitlisten, Charts oder Verkaufsrankings aufgewachsen.“

In der Tat zeigen auch die laufenden Studien in verschiedenen Ländern, dass eher die jüngeren Senioren explizite Lieblingslieder haben. Doch neben einzelnen Songs heben sie ebenfalls besonders Musikstile und Interpreten heraus. In Japan zum Beispiel mögen die Erwachsenen fortgeschrittenen Alters neben der traditionellen Musik vor allem die Beatles.

Das Forschungsprojekt „My Top Ten“, das im Dialog der Generationen musikalische Biografien erfasst, steht gerade erst am Anfang. Bisher haben sich schon Oberstufenschüler in England auf die musikalische Spurensuche begeben. In Japan befragen Studierende einer Musikhochschule ihre Großelterngeneration. Die Ergebnisse der Studien sollen wissenschaftlich aufbereitet und dann im Internet dokumentiert werden. Ob es „In My Life“ von den Beatles dann in die Top-Ten-Liste schafft, wird sich zeigen.

Lesen Sie zu diesem Thema auch den Beitrag Musik, die uns berührt in der Maiausgabe 2006 von Psychologie Heute.
5. September 2006
Quelle: idw

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