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Fernsehen gegen die Einsamkeit

Allein zu Hause zu sitzen und stundenlang in den Fernseher zu starren erscheint auf den ersten Blick nicht sonderlich gesellig. Studien aus den USA zufolge können aber „Beziehungen“ zu den Charakteren von Fernsehsendungen die Einsamkeit mindern und Gefühle der Zugehörigkeit fördern. Dies trifft besonders auf die Helden der eigenen Lieblingssendung zu.

In mehreren Studien gingen Wissenschaftler der University at Buffalo im Staat New York gemeinsam mit Kollegen von der Miami University in Ohio den Wechselwirkungen zwischen Einsamkeit und Fernsehen nach. Zunächst fanden sie in einer Fragebogenuntersuchung mit über 700 Studenten heraus, dass sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen ihre Lieblingssendungen vor allem dann anschauen, wenn sie sich allein fühlen – woraufhin die Einsamkeit nachlässt.

In einer zweiten Studie riefen die Forscher bei der Hälfte ihrer Versuchspersonen Einsamkeitsgefühle absichtlich hervor. Anschließend sollten alle Probanden verschiedene Fernsehsendungen beschreiben, darunter auch ihre Lieblingsprogramme. Das Ergebnis: Diejenigen, denen vorher Einsamkeitsgefühle eingeimpft worden waren, schwelgten länger in der Beschreibung ihrer Lieblingssendungen und handelten die anderen Sendungen eher knapp ab.

Für ein weiteres Experiment sollten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen zunächst zehn Minuten lang einen Aufsatz über ihre Lieblingssendung schreiben und anschließend einen über ein Programm, das sie gewöhnlich anschauten, wenn „sonst nichts läuft“. Nach dem Verfassen der jeweiligen Aufsätze sollten die Studenten den Versuchsleitern möglichst genau erklären, was sie geschrieben hatten. Auch hier zeigte sich: Schilderten die Teilnehmer den Aufsatz über ihre Lieblingssendung, drückten sie weniger Gefühle der Einsamkeit aus, als wenn sie über ihren anderen Aufsatz sprachen.

Die Forscher sehen ihre Ergebnisse als Beleg für die sogenannte Social Surrogate-Hypothese. Diese besagt, dass Menschen Medien wie das Fernsehen dazu nutzen können, ihr Bedürfnis nach Zugehörigkeit zu stillen, wenn dies im wirklichen Leben nicht möglich ist. Die Wissenschaftler glauben, dass sich auch Filme, Musik und Videospiele dazu eignen.

Ungeklärt sei jedoch, so die Forscher, ob diese Ersatzhandlungen das Zugehörigkeitsbedürfnis lediglich unterdrücken oder es tatsächlich befriedigen. Sie räumen ein, dass die Beziehung zu den Fernsehcharakteren vermutlich nur ein minderwertiger Ersatz für echte Kontakte von Mensch zu Mensch sei.

„Familie und Freunde für den Trost des Fernsehers zu vernachlässigen, ist sicher der falsche Ansatz“, betont Mitautor Jaye Derrick, „aber für die, die aufgrund körperlicher oder sonstiger Bedingungen in ihren Kontakten eingeschränkt sind, vermag die moderne Technik die Einsamkeit zu mindern.“

Von Anke Römer
25. April 2009
Quelle: EurekAlert

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