Mehr als die Hälfte der deutschen Jugendlichen zwischen 14 und 20 Jahren blickt skeptisch (42 Prozent) oder sogar pessimistisch (10 Prozent) in die berufliche Zukunft. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Demnach ist die Stimmung alles andere als hoffnungsfroh: 39 Prozent der befragten Teenager machen sich große Sorgen darüber, keinen Ausbildungsplatz zu bekommen; 34 Prozent haben Angst vor Arbeitslosigkeit.
Besonders ausgeprägt scheint der Pessimismus bei Jugendlichen mit einfacher Schulbildung: Zwei Drittel der Hauptschüler blicken mit negativen Gefühlen in ihre berufliche Zukunft. Sie sehen sich selbst als die großen Verlierer im Kampf um Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Mehr als vier Fünftel aller Befragten sind der Meinung, dass Schüler mit einem Hauptschulabschluss bei der Lehrstellensuche und der anschließenden Arbeitsplatzjagd benachteiligt werden. Auch unter den Realschülern ist noch jeder zweite Jugendliche skeptisch, was seine Chancen betrifft.
Knapp zwei Drittel (63 Prozent) der Teenager sind bereit, für ihr berufliches Vorankommen Opfer zu bringen. Immerhin ein Drittel (37 Prozent) der Jugendlichen gibt jedoch privaten Interessen den Vorzug. Doch die Mehrheit der Befragten (59 Prozent) sieht sich bei der Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz selbst in der Verantwortung. Mit großem Abstand folgen die Eltern, denen 15 Prozent der Jugendlichen die Verantwortung für ihre berufliche Integration geben, sowie Betriebe (10 Prozent), Schule (9 Prozent) oder der Staat (7 Prozent).
Einen Mangel an Informationen zur Berufswahl beklagen die Jugendlichen nicht. Entscheidende Einflussgrößen zur Orientierung sind eigene Erfahrungen, etwa durch Praktika, oder die Tätigkeit der Eltern. Broschüren und anderes Informationsmaterial spielen hingegen eine untergeordnete Rolle. Insgesamt ist die Berufswahl einer der wenigen Bereiche, in dem Jugendliche ihre Eltern noch um Rat fragen oder ihnen Kompetenz zusprechen. Freunde oder Lehrer sind als Ratgeber weniger wichtig.
„Unsere Studie zeigt, dass die Jugendlichen in Deutschland – insbesondere die Hauptschüler – durch die Misere am Arbeitsmarkt und den chronischen Lehrstellenmangel erhebliche Zukunftsängste haben“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Professor Heribert Meffert. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit habe bedrohliche Konsequenzen für die Volkswirtschaft. Jugendliche, die den Berufseinstieg verpassen, drohten zu Langzeitarbeitslosen zu werden, die für Jahrzehnte die Staatskasse belasten und dadurch nicht in die Sozialversicherungssysteme einzahlen können. Zudem würden, bedingt durch den demografischen Wandel, bereits im Jahr 2015 allein in der Altersgruppe der 30- bis 45-Jährigen mehr als drei Millionen Facharbeiter fehlen.