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Frauen sind vom Studi,
Männer vom VZ

Internetforen wie MySpace, Facebook, studiVZ oder schülerVZ sind vor allem bei jüngeren Leuten ein beliebter Tummelplatz im Netz. Doch wie nutzen sie diese Plattformen? Wie stellen sie sich dar, und was verraten sie über sich? Diesen Fragen ist jetzt ein Forschungsteam der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg nachgegangen.

Unter der Leitung von Elizabeth Prommer untersuchten zehn Studentinnen und Studenten des Studiengangs Medienwissenschaften, wie sich Nutzungsmotive und Strategien insbesondere zwischen weiblichen und männlichen Besuchern der Plattform studiVZ unterscheiden. 22.000 Studierende der Stadt Potsdam wurden gebeten, einen Online-Fragebogen auszufüllen. Von den 1210 Teilnehmern, die antworteten, gingen 1021 bei studiVZ ein und aus.

Wie sich herausstellte, war das Hauptmotiv der Besucher, mehr über die ihnen bekannten und unbekannten Kommilitonen zu erfahren, die sie dort im Netz antrafen. Sie lasen die persönlichen Einträge, die Pinnwandnotizen, den Nachrichtendienst und nutzten Kommunikationsfunktionen wie das „Gruscheln“ oder das Zusammenschließen in Interessengruppen.

Dabei stießen die Untersucher auf deutliche Geschlechtsunterschiede: „Männer machen sich die Online-Plattform zunutze, um das eigene Netzwerk zu vergrößern. Sie schauen sich viele fremde Profile an und gründen Interessengruppen. Dagegen verhalten sich Frauen weitaus vorsichtiger. Sie bewegen sich in bekannten Freundeskreisen und verwenden die Funktionen des Portals häufig nur zur Kommunikation mit dieser Personengruppe. Frauen geht es in erster Linie um die Pflege und Intensivierung bestehender Kontakte, wogegen Männer ein stärkeres Interesse am Kennenlernen neuer Personen aufbringen.“

Bei ihrem Netzgeplauder verrieten die weiblichen im Vergleich zu den männlichen Nutzern mehr über sich und gaben mehr personenbezogene Angaben preis, und „sie beschreiben den eigenen Charakter auch über die Wahl ihrer Interessengruppen“. Zudem war es ihnen besonders wichtig, sich „von ihrer besten Seite“ zu zeigen. Männer hingegen „verbergen ihre Identität eher, weil sie auf sich neugierig machen möchten“.

Insgesamt aber erwiesen sich die Nutzer als erstaunlich ehrlich und vielleicht auch ein wenig zu vertrauensselig bei der Preisgabe persönlicher Informationen. Sie machten in ihren Einträgen viele personenbezogene Angaben. 90 Prozent hatten ein Profilbild, 87 Prozent verrieten ihren Studiengang. Mit seiner Adresse oder Telefonnummer indes rückte kaum jemand heraus. Alles in allem, so die Potsdamer Forscher, versuchten die Teilnehmer, „sich in ihrer Identitätskonstruktion so echt wie möglich zu präsentieren“. Interessanterweise trauten sie aber ihren Kommilitonen diese Aufrichtigkeit nicht zu: „Obwohl 90 Prozent der Befragten ehrliche Angaben machen, bringen sie dem Wahrheitsgehalt anderer Profile ein großes Misstrauen entgegen. Nur 37 Prozent halten andere Profile für glaubhaft.“

Vergleichsweise arglos gingen die Jüngeren mit dem Medium um. Sie „stehen dem sozialen Netzwerk offener und unbefangener gegenüber und nutzen einzelne Funktionen mit größerer Neugierde“. In ihrer jugendlichen Treuherzigkeit lassen sie sich „vom Profil neuer studiVZ-Freunde, denen sie noch nicht im realen Leben begegnet sind, sehr leicht beeinflussen“. Doch mit zunehmendem Alter standen die Teilnehmer dem Forum und seinen Besuchern kritischer gegenüber – und überhaupt ließ das Interesse an den virtuellen Zusammenkünften mit den Jahren spürbar nach.

Den Forschungsbericht finden Sie als PDF-Datei (424 KB) unter:
www.hff-potsdam.de/fileadmin/hff/dokumente/aktuelles/
Medienwiss_Forschungsbericht_studivz.pdf
21. Februar 2008
Quelle: idw

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