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Weibliches Fahrgefühl –
damals und heute

Autofahren wird immer teurer. Dennoch lieben die Deutschen ihr Auto, die Männer wie die Frauen. Wissenschaftler der Hochschule Niederrhein haben jetzt 81 Fahrerinnen aller Alters- und Berufsklassen zu ihrem Verhältnis zum Auto befragt. Die Studie zeigt: Die Beziehung von Frauen zu ihrem mobilen Gefährten ist eine Geschichte voller Emotionen und zugleich ein Spiegel der gesellschaftlichen Entwicklung der Bundesrepublik.

Den meisten geht es beim Autofahren um Freiheit, Unabhängigkeit und das Gefühl, nicht auf andere angewiesen zu sein. Vor allem für die Älteren waren dies die zentralen Gründe, den Führerschein zu machen. „Erst ab dem Geburtsjahrgang 1966 verweisen die Frauen auf berufliche Gründe für den Einstieg in die automobile Beweglichkeit“, berichtet Doris Kortus-Schultes, Leiterin des Kompetenzzentrums „Frau und Auto“ der Hochschule Niederrhein. In noch jüngeren Jahrgängen führen manche der Befragten sogar Gruppenzwang als Motiv für den Führerscheinerwerb an.

So hatten Frauen, die heute 40 Jahre und älter sind, auch eine besonders emotionale Bindung an ihr erstes Fahrzeug – und haben immer noch lebhafte Erinnerungen daran. Sie machten mit Mitte 20 den Führerschein und übernahmen häufig das alte Auto des Vaters. Fahren geübt wurde mit Papa und Mama auf dem Parkplatz oder dem Hof. Und so manche erinnert sich noch gut daran, wie sie mit ihrem alten Käfer auf der Landstraße liegenblieb und auf Hilfe hoffte.

Mit der Freiheit war es aber zu Beginn der weiblichen „Mobilisierung“ noch so eine Sache: Ans Lenkrad gelassen wurden viele nur sonntags, wenn der Ehemann bei der Familienfeier einen zu viel getrunken hatte. Als Mitte der 1960er Jahre die Antibabypille erfunden wurde, wurden Frauen dann auch beim Autofahren selbständiger. War das Geld für das erste eigene Auto zusammengespart, stand die Frage „Was kann ich mir leisten?" im Vordergrund. Und der Besitzerstolz war entsprechend groß. Auch heute noch erinnern sich Ältere ziemlich genau an Ausstattungsdetails ihres ersten Fahrzeugs, etwa an selbst genähte Leopardensitzbezüge. Mittlerweile ist ein eigenes Auto fast zur Selbstverständlichkeit geworden – viele Fahrerinnen erhalten ihren ersten Wagen heute zum Abitur.

Dementsprechend muss ein Auto gegenwärtig vor allem funktional sein: Die einen wollen darin den Rollator der pflegebedürftigen Mutter unterbringen, die anderen den Kinderwagen. Für fast 90 Prozent der Befragten ist das Auto zur Erledigung der Einkäufe unverzichtbar, dahinter kommen Freizeitgestaltung und Transport der Kinder.

Allerdings darf das Auto auch heute die Persönlichkeit unterstreichen – wie bei einer 25-jährigen Teilnehmerin, die mit einem schicken Sportcoupé ihren beruflichen Erfolg demonstriert. Und so ist das Traumauto vieler Frauen eben nicht ein praktischer Kombi, sondern ein Cabrio. Oder ein New Beatle – schließlich erinnert der so manche an ihr erstes Auto, den Käfer.

Von Anke Römer
6. Dezember 2008
Quelle: idw; Bilder: Hochschule Niederrhein

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