Werbekampagnen mit normalgewichtigen bis eher kräftigen Models werden als bewusster Entwurf zum gegenwärtig grassierenden Schlankheitskult hoch gelobt. Stehen doch die unrealistischen Vorbilder der dünnen Topmodels im Verdacht, normale Frauen in die Magersucht zu treiben. Der ständige Anblick der superschlanken Models führe bei Frauen dazu, dass die meisten sich zu dick fühlen, und zwar selbst dann, wenn sie eigentlich Idealgewicht haben.
Ob es jedoch tatsächlich sinnvoll ist, auf molligere Vorzeigefrauen umzusteigen, wird nun durch eine neue Studie infrage gestellt. Sie ergab, dass das Anschauen von Anzeigen mit mäßig schweren Models die Selbstachtung der meisten Frauen verringert, während leicht dünne Models diese erstaunlicherweise sogar erhöhen (Journal of Consumer Research, März 2006).
„Wir zeigten, dass die Konfrontation mit dünnen Models nicht zwangsläufig einen negativen Einfluss auf das Selbstwertgefühl hat“, erklären die Forscher Dirk Smeesters von der Tilburg University und Naomi Mandel von der Arizona State University. „Im Gegenteil, die Konfrontation mit moderat dünnen (aber nicht extrem dünnen) Models hat eine positive Wirkung auf die eigene Selbstachtung.“
Wie erklären sich die Forscher die Ergebnisse? Anzeigen mit gemäßigt dünnen oder sehr schweren Models anzusehen, könnte zu einer gesteigerten Selbstwahrnehmung der eigenen Schlankheit führen – und so zu einem höheren Selbstwert. Wenn eine Frau hingegen extrem dünne oder leicht übergewichtige Models anschaue, denke sie daran, wie „fett“ sie sich selbst fühlt.
Im ersten Teil der Studie wählten die Probanden aus zahlreichen Bildern jeweils vier repräsentative Models für folgende Kategorien: extrem dünn, gemäßigt dünn, gemäßigt schwer und extrem schwer. Anschließend wurden diese Bilder zufällig Probandinnen in Verbindung mit einer anderen Aufgabe gezeigt: Sie sollten möglichst schnell auf Wörter reagieren, die mit Dünn- und Dicksein zu tun hatten.