Die Symptome sind weithin bekannt: Dicker Bauch, morgendliche Übelkeit, Stimmungsschwankungen und unstillbare Lust auf bestimmte Lebensmittel wie saure Gurken oder Sahnetorte. In manchen Fällen können Schlafstörungen, Rücken- und Zahnschmerzen, Müdigkeit und sogar Depressionen dazukommen. Sie haben es erraten: Von Begleiterscheinungen einer Schwangerschaft ist die Rede – aber nicht bei Frauen, sondern bei Männern!
Genauer gesagt geht es um Männer, deren ein Kind erwartet. Auch auf diesem Gebiet herrscht schon beinahe Gleichberechtigung: In einer aktuellen Studie der St. George`s Universität in London zeigte die Mehrzahl der werdenden Väter ähnliche Symptome wie die Mütter.
282 angehende Väter hatten die Wissenschaftler während der gesamten Schwangerschaft beobachtet und mit einer Kontrollgruppe verglichen. Laut Arthur Brennan, dem Autor der Studie, fühlten die Männer so sehr mit ihren Partnerinnen, dass sie ähnliche Symptome wie diese entwickelten. Besonders häufig waren Magenkrämpfe, gefolgt von morgendlicher Übelkeit und Veränderungen des Appetits.
„Ich hatte eine unglaubliche Lust auf Chicken Kormas und Pappadams. Selbst in den frühen Morgenstunden bin ich aufgestanden und habe mir welche zubereitet“, berichtete ein Teilnehmer. Ein anderer „Patient“ sagte, er habe sich selbst wie ein Gebärender gefühlt, solche Bauchschmerzen habe er gehabt.
In den meisten Fällen verschlimmerten sich die Beschwerden im Verlauf der Schwangerschaft und erreichten im letzten Drittel ihren Höhepunkt. Nach der Geburt verschwanden sie fast immer wieder. Die Bäuche aber wuchsen bei manchen Männern auch danach fröhlich weiter …
Noch rätseln die Forscher, warum Männer diese körperlichen Zeichen des Mitgefühls entwickeln. Die Symptome seien völlig unfreiwillig, oft hätten die Betroffenen keine Ahnung, was mit ihnen passiere, so Brennan. Elf der Teilnehmer seien sogar mit ihren Beschwerden zum Hausarzt gegangen, hätten dort aber keine Hilfe erhalten.
Das mag daran liegen, dass Ärzte sich mit dem Problem nicht auskennen. Es gibt zwar einen Namen dafür – Couvade-Syndrom –, aber keine allgemein anerkannte Diagnose. Die Bezeichnung stammt von dem französischen Wort couver, was „brüten“ bedeutet. Medizinisch gesehen handelt es sich um psychosomatische Symptome, wahrscheinlich ausgelöst durch die besonderen Bedingungen in einer solch aufregenden Lebensphase.