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Früher keusch, heute reich

Was macht eine Traumfrau oder einen Traummann aus? Und was bezeichneten frühere Generationen als einen „guten Fang“? Pünktlich zum Valentinstag liegt nun eine Studie darüber vor, wie sich die Kriterien bei der Partnerwahl über die Jahrzehnte verändert haben. Während Männer früher keusche Frauen bevorzugten und Frauen an Männern ein „angenehmes Gemüt“ schätzten, stehen nun ganz andere Qualitäten hoch im Kurs.

Welche das sind, haben die Soziologinnen Christine Whelan und Christie Boxer von der Universität Iowa untersucht. Sie fragten über 1100 Studenten und Studentinnen verschiedener Universitäten, wie wichtig ihnen bestimmte Eigenschaften beim anderen Geschlecht sind. Die Ergebnisse verglichen die Forscherinnen dann mit denen früherer Erhebungen, die seit den 1930er Jahren immer wieder durchgeführt worden sind.

Demnach stehen Merkmale wie Zuverlässigkeit und emotionale Stabilität schon seit Generationen bei beiden Geschlechtern hoch im Kurs. Auf Keuschheit legt aber mittlerweile kaum jemand mehr Wert. War in den 1930er Jahren Männern die sexuelle Enthaltsamkeit ihrer Partnerin noch wichtiger als deren Intelligenz, landet die Keuschheit jetzt auf dem letzten Platz.

Stattdessen sind die Herren der Schöpfung heutzutage auf der Suche nach einer liebenden, attraktiven Partnerin mit Köpfchen. Und noch etwas darf die Dame mitbringen: Geld – oder zumindest die Aussicht darauf. Das Merkmal „gute finanzielle Perspektiven“ nimmt in der neuesten Umfrage Rang 12 ein, nachdem es 1939 auf Platz 17 und 1967 sogar auf den letzten Platz verbannt worden war. „Diese Ergebnisse decken sich mit der Verbesserung der Bildungs- und Karrierechancen von Frauen“, sagt Whelan, „und mit dem Wunsch der Männer, finanzielle Bürden mit ihrer Partnerin zu teilen.“

Auch die Frauen wollen heute einen Partner, der sie liebt. Der Traummann sollte außerdem willens sein, eine Familie zu gründen. Nicht so wichtig ist den Damen heutzutage hingegen die Tatsache, ob ihr Auserwählter ein „angenehmes Gemüt“ hat. Diese Eigenschaft fiel von einem steten vierten Platz in früheren Befragungen auf Rang sieben. „Vielleicht bedeutet das, dass die Frauen es ihren Männern eher nachsehen, wenn er am Samstag die Blumen und die Pralinen vergisst – solange er alle anderen Anforderungen erfüllt“, vermutet Whelan. Der altmodische Ausdruck „angenehmes Gemüt“ (Englisch: pleasing disposition) könnte aber von den jungen Probanden und Probandinnen auch schlicht nicht verstanden worden sein.

Zwischen 1930 und heute hat sich allerdings noch viel mehr verändert: Gegenseitige Liebe und Anziehungskraft sind mittlerweile sowohl Männern als auch Frauen am allerwichtigsten – vor ein paar Generationen schaffte es die Liebe nicht einmal unter die ersten drei. „Die Eheschließung war eine zweckmäßige Angelegenheit. Aus Liebe oder Anziehungskraft zu heiraten galt als töricht und unter Umständen sogar gefährlich“, so Whelan.

Was Frauen wollen:

Unentbehrliche Merkmale:
Gegenseitige Anziehung und Liebe, verlässlicher Charakter, emotionale Stabilität

Wichtige Merkmale:
Bildung und Intelligenz, Wunsch nach Heim und Kindern, Ehrgeiz

Wünschenswerte Merkmale:
Gutes Aussehen, Kultiviertheit

Unwichtige Merkmale:
Ähnliche politische Überzeugungen, Keuschheit

Was Männer wollen:

Unentbehrliche Merkmale:
Gegenseitige Anziehung und Liebe, verlässlicher Charakter, emotionale Stabilität

Wichtige Merkmale:
Bildung und Intelligenz, gutes Aussehen, Ehrgeiz

Wünschenswerte Merkmale:
Gute finanzielle Perspektiven, gute Köchin und Hausfrau

Unwichtige Merkmale:
Ähnliche politische Überzeugungen, Keuschheit.

Von Anke Römer
13. Februar 2009
Quelle: ScienceDaily

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