Menschen, die ihrem Partner Gewalt antun, entschuldigen dies oft mit einem plötzlichen Verlust der Kontrolle über sich selbst. Forscher der Universität Haifa zweifeln jetzt allerdings an dieser Erklärung. Ihren Erkenntnissen zufolge ist die Gewalt zwischen Partnern genau kalkuliert – und wird nur ausgeübt, wenn der Preis dafür nicht zu hoch ist.
„Gewalttätige Partner mögen ihr Verhalten als Kontrollverlust empfinden, allerdings haben sie sich in anderen Situationen durchaus im Griff, zum Beispiel gegenüber ihrem Chef oder Freunden“, sagt Studienleiterin Eila Perkis. In den meisten Fällen seien die Betreffenden durchaus gesetzestreue Bürger, die außerhalb ihrer Beziehung ein normales Leben führten.
Perkis teilt die häusliche Gewalt in vier Schweregrade ein: verbale Aggression, die Androhung von körperlicher Gewalt, moderate und schwere körperliche Gewalt. „Diese vier Stufen werden nacheinander durchlaufen. Jemand, der verbale Aggression ausübt, wird mit der Zeit wahrscheinlich anfangen, seinem Partner zu drohen – und diese Drohung irgendwann in die Tat umsetzen“, erklärt sie.
Perkis hat herausgefunden, dass das Ausüben von Gewalt auf jeder Stufe kalkuliert ist. Der gewalttätige Partner – meist der Mann – wisse genau, was er sich erlauben könne und wofür er vermutlich einen zu hohen Preis zahlen müsste. Bei zu großen Ausrastern laufe er zum Beispiel Gefahr, verlassen zu werden, bei der Polizei angezeigt oder bei seinem Arbeitgeber verpfiffen zu werden.
„Natürlich setzt sich niemand hin und überlegt, wann er den anderen das nächste Mal beschimpfen oder schlagen wird. Aber es gibt eine Art stillschweigende Übereinkunft zwischen den Partnern, welche Art von aggressivem Verhalten noch akzeptiert wird und welche nicht mehr.“
Eila Perkis betont, dass Gewalt immer falsch, illegal und unmoralisch sei. Dennoch werde Gewalt in manchen Beziehungen als Mittel zur Konfliktlösung eingesetzt. Partnern, die zusammenbleiben möchten, wolle sie deshalb andere Möglichkeiten aufzeigen, mit Problemen und Spannungen in ihrer Beziehung umzugehen. Die Paare lernen in der Therapie, die destruktiven Verhaltensweisen in ihrer Beziehung zu identifizieren und stattdessen andere Strategien zur Lösung ihrer Konflikte einzusetzen.