Was stimmt denn nun – „Gegensätze ziehen sich an“ oder „Gleich und Gleich gesellt sich gern“? Bei der Partnersuche interessieren wir uns eher für diejenigen, die uns ähnlich sind: Menschen mit vergleichbaren Werten, sozialem Hintergrund und Bildungsniveau finden häufiger zueinander. Für das Äußere gilt dies jedoch nicht, hier ziehen sich die Gegensätze an: Ähnliche Gesichtszüge wirken zwar vertrauenswürdig, aber nicht sexuell attraktiv.
Zu diesem Ergebnis kam jetzt Lisa M. DeBruine von der kanadischen McMaster University. Sie zeigte 144 Studierenden neun Gesichter des anderen Geschlechts. Die Bilder wurden immer paarweise am Computerbildschirm präsentiert, und es gab drei Durchgänge mit einer jeweils anderen Fragestellung: Die Teilnehmer sollten bei jedem Vergleichspaar auf das Gesicht klicken, das sie vertrauenswürdiger, attraktiver für eine kurze Affäre oder attraktiver für eine längerfristige Beziehung fanden. Eines der Gesichter ähnelte dem des Befragten besonders stark: Es wurde vor dem Versuch durch eine „Fotomontage“ am Computer dem Äußeren des Untersuchungsteilnehmers angeglichen – ohne dessen Wissen.
Das Ergebnis: Die Probanden fanden das ihnen angeglichene Gesicht am vertrauenswürdigsten. Bei der Frage „langfristige Beziehung“ entschieden sich die Studierenden gleich häufig für das vertraute wie für anders aussehende Gesichter. Ging es jedoch um eine kurzfristige Affäre, bei der der sexuelle Anreiz entscheidend ist, wirkte sich die Ähnlichkeit nachteilig aus: Die Probanden empfanden das angeglichene Gesicht als weniger anziehend (Proceedings of the Royal Society of London, B, in press). Ein vertraut wirkendes Antlitz schmälert also die sexuelle Attraktivität, und dies ist sinnvoll, denn zu große Übereinstimmung im Aussehen kann ein Zeichen für Verwandtschaft sein. Für Affären möglichst anders aussehende Partner zu wählen, kann daher vor Inzucht schützen.
Schon frühere Studien haben gezeigt, dass Ähnlichkeit die Vertrauenswürdigkeit erhöht und auch die Attraktivität einer Person für eine gleichgeschlechtliche Freundschaft steigert. Mit ihrer Studie konnte DeBruine nun nachweisen, dass diese Bevorzugung „verwandt“ aussehender Menschen abhängig vom Kontext ist – und kein generelles Phänomen.