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Seitensprung:
Kick mit oft bitteren Folgen

Braunschweiger Psychologen erzielen Erfolge
mit einer neuen Paartherapie

Im Osten wie im Westen Deutschlands sind die meisten Paare mit ihrer Partnerschaft zufrieden und haben kein Bedürfnis nach einem Seitensprung. In einer aktuellen Umfrage des Hamburger Sexualforschers Kurt Starke bewerteten rund 15 Prozent die „sexuelle Qualität ihrer Beziehung“ als sehr gut und 45 Prozent als gut. Ein Viertel entschied sich für die Note befriedigend, weniger als 15 Prozent äußern sich negativ.

„Wenn Sie die Wahl hätten, würden Sie sich noch einmal für Ihren Partner entscheiden?“ 88 Prozent beantworteten diese Frage mit ja, ohne Unterschied nach Geschlecht. 83 Prozent der Frauen und immerhin 61 Prozent der Männer gaben denn auch zu Protokoll, dass sie sich eine sexuell treue Beziehung ohne Seitensprung wünschten. Jüngere gaben sich etwas aufgeschlossener: 28 Prozent der 30-Jährigen votierten für das Modell „feste Beziehung, doch gelegentlich andere Sexualpartner“.

Aus der paartherapeutischen Praxis ist indes seit langem bekannt, dass die Folgen eines Seitensprungs fast immer gravierend und mit schweren psychischen Belastungen für alle Beteiligten verbunden sind. Therapieversuche galten bislang als wenig Erfolg versprechend. Erste Ergebnisse einer Pilotstudie in der Christoph-Dornier-Stiftung in Braunschweig sind dagegen ermutigend: Bei den meisten Paaren ließ sich feststellen, dass die Folgen der Affäre, wie Depressivität und Ängstlichkeit, in der Therapie deutlich vermindert werden konnten.

„Unsere Erfahrungen zeigen, dass diejenigen Paare, die sich konsequent auf die Schritte in der ersten Behandlungsphase einlassen, mit einer hohen Wahrscheinlichkeit im weiteren Therapieverlauf wieder Vertrauen aufbauen und allmählich Schwachstellen in der Beziehung aufdecken und verändern können“, berichtet Christoph Kröger, Leiter der Christoph-Dornier-Stiftung für Klinische Psychologie an der Technischen Universität Braunschweig. 13 Paare wurden seit Mai dieses Jahres im Rahmen der Pilotstudie behandelt. Zwei Paare brachen die Therapie ab.

Nach den Erfahrungen der Braunschweiger Therapeuten führen Affären meist zu schweren Zerwürfnissen in der Beziehung. Nach einer Affäre zeigen häufig beide Partner Symptome, wie sie nach dem Erleben einer Naturkatastrophe oder eines Verkehrsunfalls auftreten können. Die bisherigen Annahmen über die Beziehung, über den Partner und sich selbst sind zerbrochen. Innere Bilder und Szenen tauchen im Kopf auf, wie der Partner sich mit der dritten Person vergnügt. Endlose Streitgespräche vergiften zusätzlich die Beziehung.

Weil bisherige Therapien nur wenig zur Verbesserung beitrugen, wurde in den USA ein neuer Ansatz entwickelt. Die ermutigenden Ergebnisse können jetzt auch von den Braunschweiger Wissenschaftlern bestätigt werden. Voraussetzung der Behandlung ist, dass die Außenbeziehung aufgegeben wird und beide Partner Zeit und Bereitschaft mitbringen, therapeutische „Hausaufgaben“ durchzuführen. Dann, so die Braunschweiger Therapieforscher, könnten beide Partner in relativ kurzer Zeit lernen, einander zu vergeben und die Partnerschaft auf ein neues Fundament zu stellen.

Weitere Informationen:
www.christoph-dornier-stiftung.de (neues Fenster)
29. November 2005
Quellen: Pabst Science Publishers; idw

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