Alles nach Plan?

 

Ja, mach nur einen Plan! 

Sei nur ein großes Licht! 

Und mach dann noch ’nen zweiten Plan

Gehn tun sie beide nicht

Diese Zeilen aus Bertolt Brechts „Ballade von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens“ rufen in mir jedes Mal aufs Neue gemischte Gefühle hervor. Einerseits bin ich erleichtert: Wenn das Scheitern wirklich im Wesen von guten Vorsätzen liegt, dann bin ich aus dem Schneider, wenn ich ein Ziel nicht erreiche. Andererseits aber widerstrebt mir die Vorstellung, dass es keinen Sinn hat, einen Plan zu fassen, weil – wie es in der Ballade heißt – „der Mensch nicht schlau genug“ dafür sei. Das ist mir dann doch zu zynisch. Und es ist auch falsch. Denn wir Menschen können durchaus Pläne in die Tat umsetzen, und selbst die viel belächelten Neujahrsvorsätze müssen nicht scheitern.

Voraussetzung ist allerdings, dass wir uns mit den Mechanismen vertraut machen, die dem Gelingen oder Scheitern von Vorhaben zugrunde liegen. Die Psychologie hat hierzu interessante Erkenntnisse gewonnen. Wussten Sie zum Beispiel, dass Hartnäckigkeit beim Verfolgen eines Ziels oft wichtiger ist als Talent? Ist Ihnen klar, dass die Methode „Versuch und Irrtum“ durchaus hilfreich bei der Bewältigung einer Aufgabe ist? Und haben Sie eine Vorstellung davon, wie Sie schlechte Gewohnheiten durch gute ersetzen können?

Natürlich ist das Wissen um solche Zusammenhänge noch keine Garantie, dass unsere Vorhaben von Erfolg gekrönt sind. Wenn Pläne „nicht gehn“, wie Brecht meint, dann liegt das oft daran, dass wir Ziele anpeilen, die „nicht dienlich sind“, so der Psychologe Kennon M. Sheldon von der University of Missouri in Columbia. Er hat festgestellt, dass wir oftmals nach etwas streben, was weder zu uns passt noch unser Wohlbefinden erhöht oder unserer Weiterentwicklung dient. Wir lassen uns allzu leicht von fremden Werten leiten („Wenn du Jura studierst, kannst du meine Kanzlei übernehmen ...“) oder reagieren auf direkten oder indirekten Druck unserer Umgebung („Mein Partner mag nur schlanke Frauen“). Doch wie erkennt man ein falsches Ziel? Ständige Erschöpfung, fehlende Freude auf dem Weg dorthin und eine innere Leere, wenn man es erreicht hat, sind typische Symptome.

Es lohnt sich also zu prüfen: Ist das, was ich erreichen möchte, wirklich mein Ziel? Werde ich zufriedener sein, wenn ich es erreicht habe? Wenn Sie darauf keine eindeutige Antwort wissen, sollten Sie vielleicht als Erstes den Artikel auf Seite 20 lesen. Da geht es um die Frage, wie man ein falsches Ziel aufgeben kann.

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