Das Vertrauen, das wir in uns selbst setzen

11 / 2013 von:  Ursula Nuber
 

In diesem Monat (November 2013) veranstaltet die ARD eine Themenwoche mit dem Titel „Zum Glück“. In diversen Sendungen und Formaten gehen Journalisten der Frage nach: „Was macht ein glückliches Leben aus?“ Die ARD-Verantwortlichen wollen dazu anregen, sich bewusst mit dem Thema auseinanderzusetzen, wie es in einer Pressemeldung heißt.  Es gehe „um die individuelle Glückssuche und die gesellschaftlichen Voraussetzungen, um materielle Grundlagen und ideelle Werte“.

Wieder einmal also das Thema Glück. Ist nicht längst alles dazu gesagt? Die ARD konnte ganz offensichtlich der Versuchung nicht widerstehen, diese eigentlich längst von allen Seiten beleuchtete Thematik – in der Hoffnung auf hohe Einschaltquoten? – erneut aufzugreifen. Wahrscheinlich geht die Rechnung auf.  Denn trotz einer inzwischen fast unüberschaubaren Fülle an Glücksratgebern und Glücksrezepten ist das Interesse am Thema ungebrochen.

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob auch diese neue Ausgabe des Magazins Psychologie Heute-compact auf der Glückswelle mitsurfen möchte. Aber hier geht es um mehr als ums Glücklichsein. Denn „gut durchs Leben“ kommen wir nicht mit Glück allein. Um in einer sich ständig verändernden Welt nicht den Überblick zu verlieren, um Stresssituationen angemessen zu bewältigen und angesichts von Niederlagen und Krisen nicht zu verzweifeln, brauchen wir eine grundlegende Fähigkeit:  ein fundiertes Vertrauen in uns selbst, in unser Können, in unsere Stärke. 

Menschen, die ein großes Vertrauen in sich und die eigenen Fähigkeiten haben, verfügen über eine hohe Selbstwirksamkeit, so der psychologische Fachbegriff. Sie sind überzeugt davon, dass sie ihre Ziele erreichen und Probleme lösen können. Sie trauen sich etwas zu, kennen sich selbst gut und lassen sich nicht entmutigen, wenn die Dinge mal nicht so laufen wie erhofft. Nach Albert Bandura, auf den das Konzept der Selbstwirksamkeit zurückgeht, speist sich diese Fähigkeit auf vier Quellen: eigenen Erfolgserlebnissen, durch das Vorbild anderer, Ermutigung durch andere und einen angemessenen Umgang mit Stress. Das heißt – und das ist die gute Nachricht: Anders als das Glück, das nur bedingt, wenn überhaupt, machbar ist, können wir das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten erlernen. Diese Kompetenz hängt nicht von unseren ererbten Eigenschaften und Talenten ab, sondern wir sind in der Lage, durch unser Denken und Handeln die eigene Selbstwirksamkeit zu erhöhen.

Die Artikel in dieser neuen Ausgabe von Psychologie Heute-compact zeigen an 16 Beispielen, aus welchen vielfältigen Fähigkeiten sich die Selbstwirksamkeit zusammensetzt.  Zum einen handelt es sich dabei um Kompetenzen, die es uns ermöglichen, uns besser kennenzulernen, unser Licht nicht unter den Scheffel zu stellen, über uns zu reflektieren und Defizite auszugleichen. Gleichermaßen wichtig sind aber auch Fähigkeiten, die es uns darin unterstützen, der Tyrannei der Außenwelt geschickt Grenzen zu setzen, den Alltag zu bewältigen und einen festen Stand zu behalten, auch wenn es mal schwierig wird.

Gelingt es uns, diese Kompetenzen zu entwickeln, dann sind wir gut geschützt. Denn das Wissen „Ich bin der Regisseur oder die Regisseurin meines Lebens“ bewahrt uns nicht nur vor Erschöpfung und Demoralisierung, sondern macht uns, sozusagen als Nebenprodukt, hin und wieder auch glücklich.                               

Ursula Nuber   

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