So bin ich – und das ist gut so!

09 / 2014
 

Wie sehe ich heute nur wieder aus! Das hätte ich wirklich besser machen können! Hoffentlich merkt niemand, wie nervös ich bin! – Gedanken wie diese kennen wir wahrscheinlich alle, und wir wissen: Selbstzweifel bremsen uns ganz schön aus. Kritisch wird es, wenn der Blick auf uns selbst grundsätzlich negativ ausfällt. Dann gehen wir nicht erhobenen Hauptes durchs Leben, sondern halten den Kopf gesenkt. 

Inzwischen ist vielfach belegt: Gleichgültig ob es um unsere Position im Arbeitsleben oder um unsere Zufriedenheit in zwischenmenschlichen Beziehungen geht – ein stabiles Selbstwertgefühl ist ebenso wichtig wie Kompetenz. Schwächelt es, kann das Lebenschancen verbauen, berufliche Karrieren ausbremsen und die Gesundheit gefährden. Wenn Menschen kein positives Urteil über sich selbst abgeben können, ist ihr Alltag mit Stolpersteinen gepflastert. Dann trauen sie sich zu wenig zu, vergleichen sich mit anderen und sind heftig angewiesen auf Lob und Bestätigung. Fällt der soziale Vergleich ungünstig aus, fehlt die Anerkennung oder müssen Niederlagen und Kritik verkraftet werden, dann haben Menschen mit einem schwachen Selbstwertgefühl schlechte Karten.

Wie die Sozialpsychologie zeigt, versuchen die Geschlechter auf unterschiedlichen Wegen ihren Selbstwert zu stabilisieren. Männer definieren sich über Leistung und Wettbewerb („Das kann ich besser“).  Für Frauen dagegen ist es wichtiger, zu anderen eine gute Beziehung zu haben. Weshalb sie oftmals lieber nicht zeigen, was in ihnen steckt, um ihre Mitmenschen nicht zu verärgern (siehe Seiten 28 bis 39).  Doch sowohl soziale Vergleiche als auch permanente Nettigkeit erhöhen das Selbstwertgefühl nicht wirklich. Diese Strategien sind, wenn überhaupt, immer nur situativ wirksam. Auf lange Sicht versagen sie.

Im Grunde gibt es nur einen verlässlichen Weg zu innerer Stärke:  Selbstakzeptanz. Die Bamberger Sozialpsychologin Astrid Schütz hält es für die „definitiv beste Haltung“, wenn man sich sagen kann: „Ich existiere, also bin ich wertvoll. Ich muss weder übermäßig beliebt sein noch etwas Überragendes leisten noch besonders gut aussehen.“ An dieser Haltung lässt sich arbeiten. Das Selbstwertgefühl ist wie ein Muskel: Durch gezieltes Training lässt es sich stärken (siehe dazu die Beiträge ab Seite 68). Die Stimme des inneren Kritikers wird dann leiser, wir gehen freundlicher mit uns um, und die Kluft zwischen dem Selbstbild und dem Idealbild wird zunehmend kleiner. Wir erkennen: „So bin ich. Und das ist gut so!“ 

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