Dies ist ein ganz besonderer Vortrag, so viel ist klar. Im Astor Ballroom, in dem sich rund 800 Zuhörer drängeln, scheint die Luft förmlich aufgeladen. Das mag auch an den vielen Schülern und Studenten liegen, die sich im Saal eingefunden haben. Es wird viel getuschelt und gelacht. An sich ist die Jahrestagung der Association of Psychological Science eine typische akademische Konferenz. Rund 3500 Professoren, Doktoranden und praktizierende Psychologen sind vier Tage im riesigen Marriott Marquis Hotel in New York zusammengekommen, um sich über die neuesten Theorien und Forschungsergebnisse auszutauschen. Da muss man auch eine Menge trockener Präsentationen über sich ergehen lassen. An diesem Samstagvormittag aber dürfen die Zuhörer auf eine kurzweilige Stunde hoffen. Denn Philip Zimbardo gilt als einer der unterhaltsamsten Vertreter seines Faches.
Valerie Reyna, Psychologieprofessorin an der Cornell-Universität, hat die Einführung übernommen. Eine leichte Aufgabe. Erklären, wer Philip Zimbardo sei, bemerkt sie, müsse sie wohl nicht. Dennoch rät sie den Zuhörern, seine Website anzuklicken: „Wenn man sieht, mit wie vielen interessanten Themen er sich befasst und welche wichtigen Fragen er gestellt hat, weiß man, warum wir die Psychologie so lieben.“
In der Tat ist das Forschungsspektrum von Philip Zimbardo ungewöhnlich breit. Es reicht von Tierstudien zu Neugier, Sexualverhalten und Drogen bis zur Forschung über menschliche Schüchternheit und Zeitorientierung, Sektenbildung und Psychosen. Weltberühmt wurde er allerdings durch eine einzige Studie: das „Stanford Prison Experiment“. Die Untersuchung, die er 1971 als junger Professor an seiner langjährigen Wirkungsstätte, der kalifornischen Stanford-Universität, durchgeführt hat, gehört zu den Grundpfeilern der Sozialpsychologie und fehlt in keinem einführenden Lehrbuch der Psychologie. Auch in seinem heutigen Vortrag wird ausführlich davon die Rede sein.
Zunächst aber zollt der mittlerweile 73-jährige und seit 2003 emeritierte Referent seiner Heimatstadt Tribut: „Ich bin so glücklich, wieder in New York zu sein.“ In der South Bronx sei er aufgewachsen, erzählt er dem Publikum. Und im Saint James Theatre, gar nicht weit von hier, habe er mit 17 Jahren als Platzanweiser gearbeitet, um sich den Collegebesuch zu finanzieren. Zimbardo hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass seine familiäre Situation als Kind schwierig war. Auf seiner persönlichen Website kann jeder die Einzelheiten seiner frühen Biografie nachlesen: die Armut seiner aus Sizilien eingewanderten Eltern, die ihre vier Kinder kaum satt bekamen, seine schwache Gesundheit, die ihn mit sechs Jahren fast an Keuchhusten sterben ließ, die Auseinandersetzungen mit dem Vater, einem hedonistischen Hallodri, der dem ältesten Sohn eine weiterführende Ausbildung versagen wollte.
Nach diesen persönlichen Worten schlägt Zimbardo nun den Bogen zum Thema seiner Präsentation „Der Luzifereffekt“. Er versäumt nicht, darauf hinzuweisen, dass er gerade ein Buch mit genau diesem Titel beendet hat, das im April 2007 erscheinen wird. „Es ist ein erstklassiges Buch. Kaufen Sie mindestens zwei Kopien“, fordert er das Publikum scherzhaft auf. Menschen seien nicht per se gut oder schlecht, erläutert er dann. Gute Menschen könnten zu schlechten werden, wenn sie durch die Macht der äußeren Umstände dazu getrieben würden. „Ich nenne das den Luzifereffekt, nach Gottes einstigem Lieblingsengel, der wegen Ungehorsams in die Hölle verbannt und dort zum Teufel wurde.“
Dank seiner immer noch schwarzen Haare und dem dunklen Spitzbart sieht Philip Zimbardo selbst ein bisschen wie ein Höllenbewohner aus. Ein sympathischer Prototyp allerdings, der in einem eleganten Anzug steckt und mit freundlicher, erstaunlich heller Stimme spricht. Mit wenigen, pointierten Worten heizt er die Stimmung jetzt an: „Das ultimative Böse in der heutigen Welt ist Abu Ghraib. Ich werde ihnen jetzt Bilder zeigen, die Sie schockieren werden.“ Und schon geht eine Fotoshow los, die vielen Zuschauern den Atem stocken lässt. Man sieht Soldaten, die Gefangene zu körperlichen Strafübungen und sexuellen Handlungen an Kameraden zwingen, Haufen aus menschlichen nackten Körpern, feixende, lachende Wärter, Exekutionen, blutige Körper, zerschossene Köpfe. Die Bilder sind mit Ton unterlegt: Man hört einen Menschen, der vor Angst nach Atem ringt, Lachen, Schüsse, Schreie.
Im Saal ist es ganz still geworden, manch einer hält sich die Augen zu. „Die Antwort von George W. Bush auf Abu Ghraib war: Wir werden der Sache auf den Grund gehen“, fährt Zimbardo fort. „Was im Klartext heißt: Wir lassen die Spitze unbehelligt.“ Die Zuhörer lachen auf, und die Spannung lässt ein wenig nach. Zimbardo hat ein bemerkenswertes Gefühl für Timing. Geschickt wechselt er zwischen Scherzen und Fakten, Theorie und Praxis, dichtem Inhalt und effektvollen Pausen. Wie ein Gedankenleser scheint er zu wissen, was die Menschen, die vor ihm sitzen, gerade brauchen.
Diese Fähigkeit hat er sein ganzes Leben lang kultiviert. „Ich war schon als Kind ein Psychologe“, erzählt er im persönlichen Gespräch am Rande der Konferenz. „Ständig habe ich beobachtet, wie Menschen sich verhalten und was in Gruppen vor sich geht.“ Sein Leben in der Bronx bot Gelegenheit zu den unterschiedlichsten Feldstudien: Auf der Straße lernte er, wie sich der Anführer einer Kinderbande von normalen Mitgliedern unterscheidet; während eines sechsmonatigen Krankenhausaufenthaltes entdeckte er, wie man Schwestern und Ärzte durch geschicktes Verhalten für sich einnehmen kann. Erfahrungen wie diese haben seine Arbeit als Psychologieprofessor tief geprägt. Seine Themen, betont er, hätten fast immer einen persönlichen Bezug.
Besonders wichtig für seine Forschungsarbeit war eine Erfahrung, die er als 14-Jähriger machte. Da zog seine Familie für ein Jahr nach Kalifornien. In der High School wurde er von den neuen Klassenkameraden völlig ignoriert, niemand wollte mit ihm zusammensitzen – ein Schock für den Teenager, der in New York stets Klassensprecher, Mannschaftsführer und Bandenchef war. Hier der beliebteste, dort der unbeliebteste Schüler der Klasse, wie konnte so etwas vor sich gehen? Erst am Ende des Aufenthaltes fand er heraus, dass ihn die anderen fürchteten, weil sie einen New-York-Italiener automatisch mit der Mafia in Verbindung brachten. Wieder zurück in New York, erzählte er seinem Schulkameraden Stanley Milgram von seinen Erfahrungen. Die beiden kamen schnell überein, dass der Auslöser für die Diskriminierung vor allem in der Situation, nicht in Phils Person zu suchen sei.
Seitdem ist Zimbardo „Situationalist“: Seine zentrale These lautet, dass Verhalten entscheidend von der Situation, in der Menschen agieren, bestimmt wird, „viel mehr, als es den meisten bewusst ist“, wie er immer wieder betont. Gerne weist er auch darauf hin, dass Stanley Milgram, sein alter Kamerad und mindestens ebenso berühmter Psychologe, dieselbe Grundüberzeugung vertrat. „Wir kamen beide aus dem gleichen armen Milieu und hatten oft beobachtet, welche subtile, aber äußerst durchdringende Macht äußere Umstände haben.“
Es ist schon interessant, dass die Schulfreunde getrennt voneinander die beiden wohl berühmtesten Untersuchungen zu Konformität und Gehorsam durchgeführt haben. Ausführlich geht Zimbardo in seinem Vortrag auf Milgrams legendäres Stromschlagexperiment ein, das die Macht individueller Autorität demonstriert. Zimbardo beschreibt den Versuch jedoch nicht einfach so. Er erzählt ihn wie einen spannenden Film, baut Spannung auf, macht kunstvolle Pausen, lässt das Szenario plastisch vor Augen erscheinen. Dann erscheint das Bild eines Hundewelpen. Ein Uh und Ah geht durch das Publikum. „Stellen Sie sich vor, Sie sollten diesem Hündchen, Stromstöße geben. Würden Sie niemals tun, richtig? Falsch!“ Zimbardo zitiert entsprechende Studien. „Unglaublich“, murmelt eine Zuhörerin. „Kann ich mir gar nicht vorstellen“, meint ein anderer. Nur langsam tritt wieder Ruhe ein.
Zimbardos Talent als Unterhalter ist legendär. Für die von ihm konzipierte und moderierte 26-teilige Fernsehserie Discovering Psychology, die im öffentlichen US-Fernsehen und in zehn weiteren Ländern lief, wurde er vielfach ausgezeichnet. Seine Vorlesungen in Stanford gehören zu den beliebtesten in der ganzen Universität. Zu seiner „Einführung in die Psychologie“ kommen bis zu 1000 Studenten. Er liebt es, in seine Seminare ungewöhnliche Gäste einzuladen – einen peruanischen Schamanen, ehemalige Häftlinge, Prostituierte – und praktische Aufgaben zu stellen. Da fordert er die Studenten auch schon mal auf, in Gruppenarbeit einen Bombenanschlag auf die Universität zu planen, damit sie selbst erfahren, was im Kopf von Terroristen vor sich geht.
Die Lehre hat in seinem Berufsleben immer einen besonders breiten Raum eingenommen. Das ist seiner Leidenschaft für das Unterrichten geschuldet, die, wie er betont, noch größer sei als die Liebe zur Forschung. Aber auch finanzielle Gründe spielten eine Rolle, zumindest am Anfang seiner Karriere. Das Psychologiestudium, das er 1950 am Brooklyn College in New York begann und 1959 mit einem Doktortitel der renommierten Universität Yale krönte, hat er sich durch Stipendien und diverse Studentenjobs finanziert. Doch nach dem Abschluss holten ihn die Sorgen ums Geld, die er aus dem Elternhaus so gut kannte, wieder ein. In seinem ersten Job als Assistant Professor an der New York University verdiente er nur 6000 Dollar pro Jahr. Das war nicht genug, um seine Frau Rose, eine Studienkollegin, die er 1960 heiratete, und seinen 1962 geborenen Sohn zu ernähren. Also nahm er eine mörderische Lehrtätigkeit auf, die bis zu 13 Kurse pro Jahr umfasste. Er unterrichtete pausenlos, arbeitete parallel dazu an diversen Forschungsprojekten. Zu der Arbeitsüberlastung kamen familiäre Probleme. Das Baby war ständig krank und schrie; die Eheleute, schlafentwöhnt und überarbeitet, stritten sich. Dann geriet Zimbardo an seiner Fakultät auch noch unter Druck, weil er Veranstaltungen gegen den Vietnamkrieg organisierte. Der 27-Jährige kam an die Grenzen seiner Kraft. Es sei ein richtiger Katastrophenmodus gewesen, erinnert er sich: „Ich hasste die Schule; meine beruflichen und privaten Sorgen schienen mir über den Kopf zu wachsen.“
In dieser Lage machte es sich bezahlt, in einem armen Elternhaus und im Getto aufgewachsen zu sein. Seine Herkunft hat ihn zu einem notorischen Optimisten gemacht, der auch noch schwierigen Umständen etwas abgewinnen kann. Sein Credo: Es gibt keine Situation, die sich nicht positiv interpretieren lässt. Also konzentrierte sich der junge Professor ganz auf seine Arbeit und blendete alles andere aus. „Ich sagte zu mir selbst: Unterrichte, so gut du kannst, mach so interessante und umfangreiche Forschung wie möglich, und du wirst entfliehen“, beschreibt er seine Strategie. „Sechs Jahre lang trichterte ich mir das täglich ein.“
Die Wende kam eher unspektakulär. Im Sommer 1967 wurde er ins belgische Leuven zu einer psychologischen Summer School eingeladen. Sechs Wochen lang sollten Studenten aus unterschiedlichen europäischen Ländern unter der Anleitung von vier amerikanischen und vier europäischen Professoren die professionelle Durchführung psychologischer Experimente lernen. Das internationale Flair, die Zusammenarbeit mit begabten Studenten und renommierten Kollegen, das Gefühl, Erfolg zu haben, gaben Zimbardo einen enormen Schub. Auch das Angebot, im Studienjahr 1967/68 als Visiting Professor an der Columbia-Universität in New York zu unterrichten, war eine willkommene Abwechslung von seiner ungeliebten Heimuniversität: „Das Niveau der Studenten und Professoren, das ich dort vorfand, erinnerte mich wieder daran, welche Standards notwendig sind, um wirklich gute Arbeit zu leisten.“
Schon bald sollte er sich in einer akademischen Topumgebung wiederfinden: Völlig unerwartet erhält er 1968 das Angebot der Stanford-Universität, den Lehrstuhl des berühmten Leon Festinger zu übernehmen. Dabei hatte er sich gar nicht um eine Position beworben. Vom angestellten Assistenzprofessor einer Durchschnittsschule zum Professor auf Lebenszeit an einer Eliteuniversität, dieser Karriereschritt war nicht nur ungewöhnlich, sondern brachte sofort Erleichterung. Er hatte plötzlich Zeit und Geld. Auch die familiäre Situation entspannte sich. Mit seiner Frau kam er überein, dass eine Scheidung das Beste sei.
Die ersten drei Jahre in Stanford betrachtet er heute als die produktivsten in seinem Leben. Er veröffentlichte mehrere Untersuchungen, darunter die Studie The human choice, ein Klassiker der Deindividuationsforschung, der dem Forschungsbereich wichtige Impulse gab. Er schrieb das Lehrbuch „Psychology and Life“ (Deutsch: „Psychologie“), heute das Standardeinstiegsbuch für Psychologiestudenten und ein internationaler Bestseller. Vor allem aber führte er das Stanford Prison Experiment durch, das ihn einer breiten Öffentlichkeit bekannt machte.
Wie oft bei Zimbardo, der immer wieder Lehrveranstaltungen als Quelle für Forschungsideen nutzte, liegt der Ursprung der Studie in einem eher unbedeutenden Studentenprojekt. In einem Seminar forderte er die Teilnehmer auf, die Deindividuation, also die Lockerung normaler Verhaltenseinschränkungen in anonymen Gruppensituationen, in Institutionen zu untersuchen. Einige Studenten kamen auf die Idee, die Bedingungen in einem Gefängnis nachzustellen. Dieser Einfall hatte ungeahnte Wirkungen. Zimbardo hat noch gut vor Augen, wie emotional die teilnehmenden Studenten reagierten, als sie in der Klasse von ihren Erfahrungen berichteten: „Sie hatten nicht erwartet, wie stark die gespielten Rollen als Wärter oder Gefangener ihr Verhalten beeinflussen würden. Viele waren schockiert, manche weinten. Erst nach einem dreistündigen Debriefing hatten sie sich wieder gefasst.“ Dem Forscher war sofort klar: Daraus muss man eine richtige wissenschaftliche Untersuchung machen.
Als wie wirkungsvoll sich dieses Experiment schließlich herausstellte, hat allerdings auch ihn überrascht. Die Untersuchung, die er im Sommer 1971 in den Kellerräumen des Psychologiedepartments in Stanford durchführte, zeigte eindrucksvoll, dass jeder Mensch in der Lage ist, andere zu erniedrigen und zu quälen, wenn nur die Bedingungen stimmen. Diese Erkenntnis kam genau zur richtigen Zeit. Am Tag, nachdem Zimbardo das Experiment beendet hatte, gab es im kalifornischen Gefängnis San Quentin einen Ausbruchsversuch, bei dem mehrere Häftlinge und Wärter getötet wurden. Knapp einen Monat später brachten Inhaftierte im Attica-Gefängnis in New York zahlreiche Wärter für eine Woche in ihre Gewalt, um bessere Haftbedingungen durchzusetzen. Wieder gab es Dutzende Tote und Verwundete, als die Nationalgarde die Anstalt stürmte.
Plötzlich waren Gefängnisse das Topthema der Nation. Das Stanford Prison Experiment lieferte dazu willkommene wissenschaftliche Argumente, und Zimbardo war als Experte begehrt. Er schrieb Presseartikel und gab Interviews, er nahm an Gerichtsprozessen teil und engagierte sich als Berater vieler Gefangener. Später sagte er als Zeuge vor mehreren Kongresskommissionen aus. Seine Aussagen hätten mit dazu beigetragen, ist er in der Rückschau sicher, dass die Haftbedingungen für Jugendliche verbessert wurden.
Zurzeit ist die Expertise des Psychologen, der längst auch privat sein Glück gefunden hat (mit Christina Maslach, Psychologieprofessorin an der University of California in Berkeley, ist er seit 34 Jahren verheiratet und hat zwei Töchter), wieder sehr gefragt. In zahlreichen Artikeln und öffentlichen Auftritten hat er zu den Vorkommnissen im irakischen Gefängnis Abu Ghraib Stellung genommen. Dabei greift er Regierung und Militärführung mit unverblümter Deutlichkeit an. Auch bei seinem Vortrag in New York benennt er die leitenden Generäle, Verteidigungsminister Rumsfeld und Präsident Bush als die eigentlichen Schuldigen. Er vergleicht sie mit Küfern, die schlechte Fässer machen, in denen aus guten schlechte Äpfel werden. Seine plastischen, drastischen Worte kommen an. Am Ende seines Vortrages stehen die Zuschauer applaudierend auf.
Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass publikumswirksame Auftritte seinem Sendungsbewusstsein entgegenkommen. Doch sie allein unter Eitelkeit oder persönlichem Ehrgeiz abzubuchen, wird Zimbardo nicht gerecht. „Es ist offensichtlich, dass er früher eine starke Aufstiegsmotivation hatte“, weiß Fritz Strack, Psychologieprofessor an der Universität Würzburg, der Zimbardo seit Jahren gut kennt. „Heute aber treibt ihn in erster Linie die humanistische Überzeugung an, dass die Welt verbesserbar ist und die Psychologie dazu beitragen kann.“ Auch Professor Scott Plous von der Wesleyan University hebt Zimbardos politische Perspektive hervor: „Natürlich schmeichelt es ihm, wenn Leute seine Arbeit bewundern. Doch was er an seinem Ruhm am meisten schätzt, ist die Möglichkeit, eine breite Öffentlichkeit zu erreichen und soziale Veränderungen herbeizuführen.“
Das Publikum im Astor Ballroom hat er auf jeden Fall erreicht. Nach dem Vortrag stehen an die dreißig Zuhörer Schlange, um sich mit ihm fotografieren zu lassen. Er posiert geduldig und lächelt unermüdlich in Digitalkameras hinein. Eine 16-jährige Schülerin ist danach völlig mitgenommen: „Er hat nach meinem Namen gefragt und mir die Hand geschüttelt.“ Ihre Freunde sind sich einig, was für ein toller Typ Zimbardo sei. Das Stanford Prison Experiment haben sie im Unterricht durchgenommen, erzählen sie. Die Realitätsnähe der Studie und die Parallelen zu Abu Ghraib finden sie sehr beeindruckend. Mehr als einer denkt ernsthaft darüber nach, später Psychologie zu studieren.
© Psychologie Heute 2010
Dieser Artikel wurde veröffentlicht in Psychologie Heute 12/2006, Seite 60 ff. Das Heft ist leider vergriffen, Sie können seine Hauptartikel aber in unserem Archiv einsehen und herunterladen (gegen Gebühr; Abonnenten erhalten monatlich drei Artikel kostenlos).
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Fotos: www.apa.org, Stanford University
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