In einer Studie befragten sie 377 Ehepaare, die zwischen 1999 und 2005 geheiratet hatten (Zeitschrift für Soziologie, Bd. 36/2, 2007). Überraschendes Ergebnis: Die Ehe als Institution ist lebendiger als angenommen. Fast die Hälfte der Befragten räumt ihr einen hohen persönlichen oder kirchlich-religiösen Stellenwert ein. Sie sind überzeugt, die Ehe sei eine Verbindung auf Lebenszeit, und die meisten haben standesamtlich und kirchlich geheiratet.
Alle anderen Befragten stehen der Ehe distanzierter gegenüber. Für mehr als ein Viertel von ihnen liegt der Sinn der Ehe in erster Linie in dem zu erwartenden Nutzen, der rechtlichen und finanziellen Absicherung.
Die übrigen betrachten sie als eher unwichtig für ihr persönliches Glück. Vor allem Männer scheinen die Ehe in ihrer klassischen Form bewahren zu wollen, während Frauen toleranter sind, wenn es um die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare und die rechtliche Gleichstellung Unverheirateter geht. Die romantische Liebe als Heiratsgrund wird weithin überschätzt, belegt die Studie. Liebe ist zwar meist eine wichtige Voraussetzung für eine Heirat; allein ausschlaggebend ist sie jedoch selten.
Die Befragten heirateten häufig aus mehreren Gründen. Neben Gefühlen waren auch nutzen- und wertorientierte Motive bedeutsam. Die einen schätzten die Institution Ehe „an sich“ und fanden es normal, dass irgendwann geheiratet wird. Andere waren vorrangig an steuerlichen Vorteilen und dem gemeinsamen Sorgerecht für ein Kind interessiert oder wollten vermeiden, dass einer der Partner versetzt oder abgeschoben wird. Manchen ging es darum, eine lang währende Beziehung symbolisch zu festigen. Wieder andere heirateten spontan, ohne groß darüber nachzudenken.
Für eine kirchliche Heirat entschieden sich häufig Menschen mit traditionellen Wertvorstellungen. Die Kostenfrage spielte dabei keine unerhebliche Rolle. Je geringer das Haushaltseinkommen, desto eher verzichteten etliche trotz kirchlicher Bindung auf eine kirchliche Heirat. Über die Hälfte aller Befragten ließ sich kirchlich trauen, aber nur rund ein Viertel von ihnen allein aus religiösen Gründen. Viele waren auch oder ausschließlich an der festlichen Zeremonie interessiert, andere traten hauptsächlich ihrem Partner zuliebe vor den Traualtar.
Geheiratet wird, so das Fazit von Schneider und Rüger, wenn sich die Beteiligten davon Vorteile versprechen. Und diese Vorteile scheinen noch sehr zahlreich zu sein. Von Gabriele Kunz