Ohne Schwangerschaft werden innerhalb eines Jahres drei Prozent untreu. Selbst glückliche Ehemänner suchen häufiger anderweitig Sex – die Wahrscheinlichkeit steigt durch eine Schwangerschaft von 0,2 Prozent auf 1,2 Prozent.
Nach den Gründen wurde bei der Erhebung nicht gefragt. Laut den Forschern könnte es aber daran liegen, dass das sexuelle Interesse der Frauen und mit ihm das Sexualleben in dieser Zeit leidet. Gibt es keinen Schutz? Doch: Religiosität mindert das Untreuerisiko. Wer häufig in die Kirche geht und sein Leben möglichst nach Gottes Wünschen ausrichtet, leistet sich auch bei schlechter Ehe vergleichsweise selten eine Affäre. Während sich anderthalb Prozent der unglücklich verheirateten Religiösen binnen eines Jahres einen Seitensprung erlauben, sind es bei den Atheisten in gleicher Lage fünf Prozent. In glücklichen Ehen unterscheiden sich Kirchgänger und andere dagegen kaum.
Eine weitere Gefahr für die Monogamie ist Neurotizismus. Dieser Persönlichkeitsfaktor umfasst Eigenschaften wie Ängstlichkeit, Depressivität und die Neigung zur Hypochondrie. Dazu kommt Impulsivität. Whismans Team vermutet, dass dieser Charakterzug Seitensprünge des Partners provoziert. Ausgeprägter Neurotizismus verdoppelt das Risiko fürs Fremdgehen, selbst wenn die niedrigere Zufriedenheit mit der Ehe berücksichtigt wird. Insgesamt bekannten sich in der Studie 2,3 Prozent der Teilnehmer zu einem Seitensprung in den letzten zwölf Monaten. Diese Zahl ist jedoch mit Vorsicht zu genießen, da solche Geständnisse stark davon abhängen, wie gefragt wird.
Dies zeigt Whisman in einer weiteren Studie. Sie bezieht sich nur auf Frauen, fast 5000 nahmen teil. Dabei wurden einige heikle Fragen zweimal gestellt – einmal direkt von einer Interviewerin und einmal über Kopfhörer von einem kleinen Computer, in den auch die Antworten einzugeben waren. Der Maschine beichteten sechs Prozent einen Seitensprung in den letzten zwölf Monaten, der Interviewerin hingegen nur ein Prozent. Von Jochen Paulus