www.psychologie-heute.de | Themen & Trends in Heft 12/07
THEMEN & TRENDS HEFT 12/07

Wer wird warum untreu?

Wie Schwangerschaft, Religiosität und Neurotizismus die Treue eines Menschen beeinflussen

Wenn eine Frau schwanger ist, verfünffacht sich ihr Risiko, dass der Ehemann sie betrügt. Dies ist eines der Ergebnisse einer Studie, die Mark Whisman von der University of Colorado in Boulder und seine Kollegen durchführten. Sie werteten dafür die Angaben von 1250 Amerikanerinnen und Amerikanern aus, die im Rahmen des National Comorbidity Survey befragt worden waren. Eine Schwangerschaft erhöht drastisch die Seitensprunggefahr, wenn es in der Ehe kriselt: Fast zwölf Prozent der unzufriedenen Ehemänner gehen fremd, wenn ein Kind unterwegs ist.

Ohne Schwangerschaft werden innerhalb eines Jahres drei Prozent untreu. Selbst glückliche Ehemänner suchen häufiger anderweitig Sex – die Wahrscheinlichkeit steigt durch eine Schwangerschaft von 0,2 Prozent auf 1,2 Prozent.

Nach den Gründen wurde bei der Erhebung nicht gefragt. Laut den Forschern könnte es aber daran liegen, dass das sexuelle Interesse der Frauen und mit ihm das Sexualleben in dieser Zeit leidet. Gibt es keinen Schutz? Doch: Religiosität mindert das Untreuerisiko. Wer häufig in die Kirche geht und sein Leben möglichst nach Gottes Wünschen ausrichtet, leistet sich auch bei schlechter Ehe vergleichsweise selten eine Affäre. Während sich anderthalb Prozent der unglücklich verheirateten Religiösen binnen eines Jahres einen Seitensprung erlauben, sind es bei den Atheisten in gleicher Lage fünf Prozent. In glücklichen Ehen unterscheiden sich Kirchgänger und andere dagegen kaum.

Eine weitere Gefahr für die Monogamie ist Neurotizismus. Dieser Persönlichkeitsfaktor umfasst Eigenschaften wie Ängstlichkeit, Depressivität und die Neigung zur Hypochondrie. Dazu kommt Impulsivität. Whismans Team vermutet, dass dieser Charakterzug Seitensprünge des Partners provoziert. Ausgeprägter Neurotizismus verdoppelt das Risiko fürs Fremdgehen, selbst wenn die niedrigere Zufriedenheit mit der Ehe berücksichtigt wird. Insgesamt bekannten sich in der Studie 2,3 Prozent der Teilnehmer zu einem Seitensprung in den letzten zwölf Monaten. Diese Zahl ist jedoch mit Vorsicht zu genießen, da solche Geständnisse stark davon abhängen, wie gefragt wird.

Dies zeigt Whisman in einer weiteren Studie. Sie bezieht sich nur auf Frauen, fast 5000 nahmen teil. Dabei wurden einige heikle Fragen zweimal gestellt – einmal direkt von einer Interviewerin und einmal über Kopfhörer von einem kleinen Computer, in den auch die Antworten einzugeben waren. Der Maschine beichteten sechs Prozent einen Seitensprung in den letzten zwölf Monaten, der Interviewerin hingegen nur ein Prozent. Von Jochen Paulus

AUSSERDEM IN THEMEN & TRENDS

Unter Beobachtung werden wir zu besseren Menschen

Warum wir hilfsbereit sind, auch wenn wir nicht unmittelbar etwas davon haben.

Unbekümmert im Alter

Mit den Jahren nimmt die Gelassenheit zu.

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Generalisierte Angststörungen beginnen oft mit der Pubertät und könnten mit einer planvollen Frühintervention verhindert werden.

Beim Namen genannt

Jung oder alt, lebhaft oder langweilig – der Vorname liefert uns erste Eindrücke von einem Menschen.

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Bei älteren Menschen lässt häufig die Merkfähigkeit nach. Schuld daran sind offensichtlich auch die verkürzten Tiefschlafphasen im Alter.

Es bewegt sich – also denkt es?

Wir sprechen sogar leblosen Gegenständen einen Verstand zu – solange sie sich mit der gleichen Geschwindigkeit bewegen wie wir.

Schlimme Folgen

Scheidung kann die betroffenen Kinder langanhaltend traumatisieren. Aber nicht für alle späteren Probleme darf die Trennung der Eltern verantwortlich gemacht werden.

Frauenleben: Alles ist möglich

Karriere im Beruf, Familie und Job, Hausfrau und Mutter – Frauen wählen selbstbestimmt ihren Weg.

Babytalk – die Sprache, die jeder versteht

Wenn Erwachsene mit Babys reden, klingt das überall auf der Welt gleich.

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