Der verführerische Zustand flüchtigen Glücks
Süße Verlockungen machen uns willensschwach
Dass der Anblick einer Tafel Schokolade vielen Menschen den Mund wässrig macht, ist bekannt. Dass aber die gleichen Appetitanreger auch die Kauflust steigern, das hat den Psychologen Xiuping Li von der Nationalen Universität von Singapur doch einigermaßen überrascht. Offenkundig, so Li, „führt allein das Aroma oder der Anblick etwa von Schokolade zu einem Zustand, der Kaufentscheidungen beschleunigen kann“.
In einem ersten Experiment sollten sich die 134 Probanden des Psychologen zwischen Fotos entscheiden, die alle möglichen Leckereien oder fantastische Naturszenen zeigten. Die Teilnehmer einer Kontrollgruppe bekamen nichts zu sehen. Alle Testpersonen sollten dann an einer Lotterie teilnehmen, die entweder schnelle geringe oder aber spätere größere Gewinne versprach.
Ergebnis: Die Teilnehmer, die den Appetitanregern „ausgesetzt“ gewesen waren, entschieden sich deutlich öfter für den kleineren, aber schnelleren Gewinn als alle anderen Probanden.
In einem weiteren Experiment hielten sich 36 Versuchsteilnehmerinnen in einem Raum mit verborgenen Duftkerzen auf, die Schokoladengeruch verströmten. Prompt entschieden sich 67 Prozent der Frauen für den Kauf einer neuen Bluse, obwohl manche angaben, dass sie gerade knapp bei Kasse seien. In einer Kontrollgruppe handelten nur 17 Prozent der Probandinnen derart impulsiv.
Nach dem Anblick oder dem Geruch eines Appetitanregers verspüren wir „einen flüchtigen Zustand allgemeinen Glücks“, meint der asiatische Forscher. Folge: ein Drang, allen möglichen Versuchungen sogleich nachzugeben. Von Klaus Wilhelm
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