www.psychologie-heute.de | Themen & Trends in Heft 1/09
THEMEN & TRENDS HEFT 1/09

Investoren auf der Couch

Spielen Emotionen und unbewusste Konflikte beim Wertpapierhandel eine entscheidende Rolle?

Wer das Auf und Ab an Finanzmärkten beobachtet, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Investoren zuweilen recht irrational agieren. Dieser Ansicht sind auch zwei britische Wissenschaftler. Sie argumentieren, dass beim Kauf und Verkauf von Wertpapieren Emotionen und unbewusste Konflikte eine entscheidende Rolle spielen. Um ihr Argument zu belegen, ziehen David Tuckett und Richard Taffler das vielleicht faszinierendste Finanzmarktphänomen heran: Spekulationsblasen.

In einer Blase steigt der Kurs über einen längeren Zeitraum in Höhen, die zuvor unerreichbar erschienen, um dann plötzlich einzubrechen. Während der New Economy-Blase beispielsweise versechsfachte der Dow Jones Internet Index innerhalb von 18 Monaten seinen Wert, um dann im März 2002 um 50 Prozent zu fallen. Aus psychoanalytischer Perspektive, so die beiden Forscher, lässt sich die extreme Kursentwicklung als Ergebnis zweier unbewusster Prozesse erklären:

– Internetaktien wurden für Investoren zu fantastischen Objekten. Im psychoanalytischen Verständnis ist ein fantastisches Objekt eine mentale Repräsentation von etwas, das die geheimsten Wünsche eines Menschen erfüllt und es ihm erlaubt, sich omnipotent zu fühlen. Als die ersten vielversprechenden Berichte über das Internet in der Presse auftauchten, glaubten viele Menschen, mit Internetaktien ließen sich die Marktgesetze auf den Kopf stellen; alles schien möglich zu sein. Der Drang, Omnipotenzfantasien auszuleben, war so stark, dass Investoren Fakten einfach beiseitewischten.

– Investoren gerieten in eine sogenannte paranoid-schizoide Gemütsverfassung, in der sie unangenehme Gefühle wie Unsicherheit und Zweifel, die mit Entscheidungen in unsicheren Situationen immer einhergehen, unterdrückten. Dies gelang ihnen, indem sie jegliche negativen Aspekte der Aktienanlage (Schwächen der Internetökonomie, die Möglichkeit von Kursverlusten) abspalteten.

Im Crash dann ging die faktenblinde, naiv-positive Begeisterung der Marktteilnehmer ins negative Extrem über. „Zu diesem Zeitpunkt schlug die Liebe für das fantastische Objekt in Hass um“, schreiben Tuckett und Taffler. „Die euphorische Phase wurde durch Zorn, Verleugnung und den paranoiden Versuch, Schuldige zu finden, abgelöst.“

Psychoanalytische Konzepte, meinen die beiden Forscher, können auch Licht auf andere Finanzmarktphänomene werfen wie die Finanzkrise im Herbst 2008, die ungewöhnliche Anziehungskraft von Hedgefonds oder die notorische Unterreaktion auf schlechte Nachrichten.

Jochen Paulus

AUSSERDEM IN THEMEN & TRENDS

Ist Testosteron schuld an der weltweiten Finanzkrise?

Bankrotte Finanzinstitute, Konjunktureinbruch, steigende Arbeitslosigkeit – ist das alles eine Folge von exzessiv riskanten Aktionen männlicher Aktienhändler? Hätten Frauen anders gehandelt?

Besonnenheit – die vergessene Tugend

Ein besonnener Mensch kann überlegter mit seinen Gefühlen umgehen. Er kontrolliert seine Impulse und Handlungen, um andere nicht zu verletzen und Ziele zu erreichen

Vorsicht, Aufkleber!

Warum wir uns vor stark verzierten Autos in Acht nehmen sollten

Lottospielen: Baugenehmigung für Luftschlösser

Warum spielen Menschen regelmäßig Lotto, wo sie doch eigentlich nur verlieren können?

Glück kann man doch kaufen

Geld macht zufrieden, wenn man es für gute Zwecke ausgibt

Wenn Psychotherapie nicht wirkt

Was tun Therapeuten, wenn der Klient nicht auf die Behandlung reagiert – und wie lange brauchen die Behandler, bis sie einen Misserfolg ihrer Methode eingestehen?

Altmodische Seifenopern

Manche Fernsehserien verbreiten veraltete Ansichten über die Rollenverteilung in Beziehungen

Abstand halten!

Wem es gelingt, seine Probleme mit den Augen eines anderen zu betrachten, wird besser mit ihnen fertig

Mobil und heimatverbunden

Berufsnomaden nehmen zum Teil erhebliche Strapazen auf sich, um Beruf und Familie zu vereinbaren

Glücklich und leichtgläubig?

Unsere Stimmung beeinflusst die Fähigkeit, Lüge und Wahrheit zu unterscheiden

Abos weltweit!

Psychologie Heute können Sie in jedem per Post erreichbaren Land abonnieren und das Abo auch von jedem Land aus in ein anderes verschenken. Falls mit Luftpost versandt wird, kostet das keinen Aufpreis! (Bild: NASA)
PROBEABO

Testen Sie uns …

Für einen sehr geringen Preis (in den EU-Ländern zum Beispiel für 12 Euro inklusive Versand) liefern wir Ihnen die nächsten drei Ausgaben ins Haus. Sie können dann entscheiden, ob Sie das Probe- in ein Jahresabo übergehen lassen oder es mit einer kurzen Mitteilung an uns beenden.
STUDENTENABO

Student/in?
– Billiger!

Vollzeitstudenten zahlen 7 Euro weniger für das Jahresabo – und das gilt in allen Ländern!
GESCHENKABO

Bringen Sie sich
12-mal in gute Erinnerung!

Mit einem Geschenkabo bereiten Sie ein Jahr lang jeden Monat wieder neu Freude – und wir schenken Ihnen auch was: unseren Jubiläumsband Faszination Psychologie, der nicht im Buchhandel erhältlich ist. Übrigens: Sie müssen nicht an die Abbestellung denken – das Abo endet mit der Zustellung des zwölften Heftes.
JAHRESABO

Und dann wäre
da noch …

… unser beliebtes Jahresabo. Sie sparen dabei und bekommen die Hefte bequem ins Haus geliefert! Und wir begrüßen Sie mit einen Heft der Compact-Reihe.

Auch das könnte Sie interessieren:

Lesen Sie auf den Seiten des vorherigen Hefts (Ausgabe 12/08): Wenn du Hilfe brauchst, frag einfach!
Banner: Zur Vorschau auf das nächste Heft
Banner: Im Onlineshop finden Sie Hefte ab Jahrgang 2000

SUCHMASCHINE

Das Sucheingabefeld wieder schließen

SUCHMASCHINE

Das Sucheingabefeld wieder schließen