Dossier Beruf & Leben: Trugbild Traumjob

Wenn die Arbeit nervt, träumen viele von einer neuen Tätigkeit. Doch der Wechsel zum vermeintlichen Traumjob bringt oft keine Besserung. Tatsächlich liegen die Gründe für die Unzufriedenheit meist ganz woanders

Morgens um acht klingelte Kirsten Frankes* Handy das erste Mal. Dann schaltete die Beraterin die Freisprechanlage im Dienstwagen ein, telefonierte mit Auftraggebern oder den Chefs der Consulting-Firma. Damals beriet die Wirtschaftspsychologin große Kunden, meistens ging es um Prozessoptimierung und darum, Mitarbeiter zu entlassen. Die 34-Jährige machte ihre Arbeit gut, fühlte sich aber irgendwann unwohl. „Ich litt darunter, immer nur profitorientiert zu denken. Der Wunsch, vertrauensvoll mit Klienten zu arbeiten, wurde stärker“, erzählt sie im Rückblick.

Nach vier Jahren wechselt Franke in die Leitung einer Berufsbildungs- und Beratungsstelle für Frauen, für sie ein Traumjob. Die ersten Monate laufen gut. Im Kontakt mit Klientinnen hat Franke das Gefühl, helfen zu können. Auch die Organisation der Beratungsstelle fällt ihr leicht. Doch bald kommt es zu Auseinandersetzungen mit den Kollegen. Die neue Leiterin ist ihnen zu ehrgeizig. Franke wiederum findet die Mitarbeiter wenig belastbar, „fast unprofessionell“. Unbewusst legt sie den Leistungsmaßstab aus der Beraterbranche an. Die Konflikte eskalieren. Wieder fühlt Franke sich am falschen Platz. Nach einem Jahr kündigt sie enttäuscht.

Mit dem Gefühl, bei der Arbeit „nicht richtig“ zu sein, ist Kirsten Franke nicht allein. Die Unzufriedenheit mit der eigenen Position ist bei vielen groß: Die Personalvermittlung Manpower hat 2015 mit dem Marktforschungsinstitut Toluna eine Befragung von 1011 Mitarbeitern durchgeführt. 49...

Den kompletten Artikel können Sie bei uns kaufen oder freischalten.

Artikel zum Thema
Beruf
Wie fühlt man sich am Arbeitsplatz lange wohl und bleibt trotz Belastung gesund? Psychologieprofessor Fred Zijlstra über „nachhaltiges Arbeiten“.
Gesellschaft
In sozialen Netzwerken hinter­lassen wir ständig unsere Spuren. Was entlarven die Mitteilungen, die wir dort verfassen, über unsere Persön­lichkeit?– Eine ganze...
Leben
Wie es gelingt, etwas Neues zu wagen, und warum wir es uns oft selbst schwer machen, berichtet der Coach und Buchautor Horst Conen.
Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 7/2016: Mut zur Unsicherheit
file_download print

Die Redaktion empfiehlt

Beziehung
Wenn der Partner sich immer öfter abwertend verhält, stellt sich die Frage, wie man Liebe wieder ins Gleichgewicht bringt – oder hinter sich lässt.
Beziehung
Zweifel an der eigenen Beziehung sind eine große Belastung – für den Partner und insbesondere den Betroffenen.
Gesellschaft
Selbsttötungen und Suizidgedanken sind weiter verbreitet, als man meint. Doch niemand spricht darüber. Dabei könnte genau das Leben retten.