Lust durch Nähe

Viele glauben, dass zunehmende Vertrautheit in der Beziehung die Lust verschwinden lässt. Doch gerade Nähe kann ungeheuer stimulierend sein.

Damit die erotische Leidenschaft erhalten bleibt, ist es wichtig, sein inneres Selbst zu enthüllen. © Karsten Petrat

Lust durch Nähe

In den meisten Beziehungen lassen Erotik und Sexualität mit den Jahren spürbar nach. Liegt es daran, dass die ­zunehmende Vertrautheit lusttötend wirkt, wie manche Ratgeber suggerieren? Ganz im Gegenteil! Gerade Nähe kann ungeheuer stimulierend sein

Um das Elend ihrer Ehe zu beschreiben, braucht Marlene (Namen in den Fallgeschichten geändert) nur wenige Worte: Seit 18 Jahren ist sie mit ihrem Mann zusammen, neun Jahre verheiratet: „Vor etwa vier Jahren begann unser Auseinanderleben. Mittlerweile streiten wir nur noch.“ Er nehme ihre Kritik nicht ernst, wolle zwar auch Veränderung, tue aber nichts dafür. Seit vier Jahren hätten sie keinen Sex mehr. Nun habe sie bei der Arbeit jemanden kennengelernt, „der mir nicht mehr aus dem Kopf, geschweige denn aus dem Herzen geht“. Sie seien so vertraut miteinander, obwohl sie sich doch kaum kennen würden. „Ich möchte ihn verführen und mich verführen lassen. Hemmungslos lieben.“ Es ist nur eine heimliche Idee. Noch.

"Keine Liebe, nur Kälte"

Geschichten wie die von Marlene finden sich im Forum eines beliebten Internetportals viele. Da ist Grit, seit vier Jahren ist sie mit Christian zusammen. „Seit anderthalb Jahren befinden wir uns in dieser Abwärtsspirale.“ Wenn er von der Arbeit komme, wolle er nur noch auf der Couch liegen, aufs Handy starren oder eine Fernsehserie schauen. Nach seiner Dienstreise fand sie auf Christians Kreditkarten­abrechnung eine hohe Summe, verbucht unter „partynacht/club“. Sie stellte ihn zur Rede, es gab Streit. Wenn sie streiten, wird er ausfallend. „Ich könnte ewig weiterschreiben und Situationen nennen, in denen ich keine Liebe, sondern Kälte spüre“, schreibt Grit.

Oder Nadine, 32, die anfangs „sehr schön und harmonisch“ mit Jens, 41, gelebt habe. Der Sex sei „auch super“ gewesen. Doch seit einiger Zeit gebe es nur noch alle sieben bis zehn Tage „eine sehr vorhersehbare, fast schon automatisierte und monotone Nummer“. Sie wolle ihn auch mal morgens...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 7/2018: Kann ich mich ändern?
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