Die Wut meiner Tochter

Eine Mutter sieht die Borderlineerkrankung ihrer ­Tochter als persönliches Versagen. Wie soll sie mit dem ­extremen Verhalten ihres Kindes umgehen?

Eine Mutter umarmt ihre Tochter, deren Kopf eine Bombe ist.
Eine Mutter hat Angst vor der Borderlinestörung ihrer erwachsenen Tochter. © Michel Streich

Als Frau I. bei mir im Therapieraum Platz genommen hat, wirkt sie sichtlich aufgeregt und nervös. „Ich bin so fertig“, sagt sie, „ich schlafe kaum noch und weiß nicht mehr, was ich machen soll.“ Als sie weiterspricht, zittert ihr Unterkiefer und sie versucht, die Tränen zurückzuhalten. Ich sage: „Offensichtlich geht es Ihnen nicht gut.“ Sie nickt und schaut mich an. Wir sind ein bisschen still miteinander, und schließlich beginnt sie langsam zu erzählen.

Ihre 21-jährige Tochter Sarina verletze sich selbst und habe vor einiger Zeit die Diagnose „Borderlinestörung“ bekommen. Dass ihre Tochter psychische Probleme habe, sei ihr schon länger klar. Sarina habe oft ganz massive Stimmungsschwankungen, sei manchmal grundlos wütend, füge sich Schnittwunden an den Armen zu und habe auch schon einen Suizidversuch unternommen. Ihre Tochter lebe noch bei ihr zu Hause und der Alltag sei oft unerträglich.

Nicht wissen, was als Nächstes kommt

Das Schlimmste sei, dass sie nie wisse, was als Nächstes komme. Manchmal sei Sarina sehr lieb und sie seien fast wie Freundinnen. Dann entspanne sich in ihr alles, und sie sei richtig „high“. Doch das kippe dann irgendwann und es gehe wieder los mit den Beschimpfungen, Vorwürfen und sogar Gewaltandrohungen. Ihre Tochter beschuldige sie dann, dafür verantwortlich zu sein, dass es ihr nicht gutgehe, sie sich selbst verletze oder Probleme in der Partnerschaft habe.

Das gehe jetzt schon seit fast fünf Jahren so. Lange habe sie das alles für pubertätsbedingte Probleme gehalten, aber irgendwann sei ihr klargeworden, dass diese Verhaltensweisen das übliche Maß deutlich überschreiten. Da sei ihre Tochter schon 19 gewesen.

Suizidandrohungen und...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 12/2019: Räume der Seele
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