Unbegreiflich schnell

Nichts und niemand hat mehr Zeit. Alles muss schnell gehen. Was richtet dieses Leben auf der Überholspur mit uns an? Und wo ist die Bremse, die das Tempo verlangsamen könnte?

E-Mail statt Brief. SMS statt E-Mail. Expresslift statt Treppensteigen, Newsticker statt Zeitung. Onlineshopping statt Einkaufsbummel, Mikrowelle statt Schmortopf. Fast Food statt selbst kochen. Abitur in acht statt in neun Jahren. Bologna-Bachelor statt Diplomstudium. Powernapping statt Mittagsschlaf. Digitales Partnershoppen statt analoges Rendezvous. Kurztherapie statt Psychoanalyse. Multitasking statt Konzentration.

Das Tempo unseres Lebens nimmt zu, wir gehen, lesen, entscheiden, arbeiten immer schneller. Beschleunigung ist das Markenzeichen unserer Zeit. Sie verändert unser Leben, macht uns langsam mürbe. Wir fühlen uns überwältigt, überfordert, überreizt. Das Gefühl, keine Zeit zu haben (oder nicht genügend davon), nimmt überhand. Und der seltsamerweise daraus erwachsende Wunsch, dass alles noch schneller gehe, lässt uns hektisch auf den Liftknopf oder die Ampelschaltung drücken, wohl wissend, dass dies sinnlos ist. Aber schon eine kleine Wartezeit ist uns unbehaglich – denn wir „verlieren“ ja Zeit, die wir woanders dringend bräuchten.

Welche Veränderungen und welche Symptome die beschleunigten Lebens- und Arbeitsweisen bei uns hervorrufen, zeigt die Analyse von Lebensbereichen, die besonders vom großen Zeitdruck betroffen sind:

Arbeit: Der Kult der Dringlichkeit

In der digitalisierten und globalisierten Arbeitswelt muss immer mehr schnellstens und sofort stattfinden – in „Echtzeit“ also. Die französische Psychologin Nicole Aubert hat in vielen Berufen und Branchen einen „Kult der Dringlichkeit“ entdeckt....

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