„Andere kommen voran, man selbst tritt auf der Stelle“

Immer häufiger ist von der Abstiegsangst der verunsicherten Mittelschicht die Rede. Aber ist diese Angst gerechtfertigt? Der Soziologe Berthold Vogel warnt vor Panikmache, sieht aber durchaus Veränderungen, die Anlass zur Sorge geben

„Andere kommen voran, man selbst tritt auf der Stelle“

Immer häufiger ist von der Abstiegsangst der verunsicherten Mittelschicht die Rede. Aber ist diese Angst gerechtfertigt? Der Soziologe Berthold Vogel warnt vor Panikmache, sieht aber durchaus Veränderungen, die Anlass zur Sorge geben

Herr Professor Vogel, was ist mit der Abstiegsangst der Mittelschicht eigentlich konkret gemeint?

Abstiegsangst ist eine Form von Verunsicherung, für die der französische Soziologe Robert Castel den Begriff „soziale Verwundbarkeit“ geprägt hat. Es geht um den Verlust der Zuversicht, seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Dabei muss keineswegs der sofortige Abstieg in den Ruin, in das soziale Aus drohen. Aber die Lebensführung, die Lebensgestaltung ist für viele Menschen anstrengender geworden. Natürlich ist die Pauschaldiagnose von der ausgepressten, ausgenutzten, allmählich verschwindenden Mitte ebenso falsch wie der Befund, die Mittelschicht sei noch immer bestens situiert, leite das Geld des Wohlfahrtsstaats nach wie vor auf ihre Mühlen und klage, wenn nicht grundlos, dann auf hohem Niveau. Und im Vergleich mit den Gefährdungen, die in den 1930er Jahren der Weimarer Republik als „Panik im Mittelstand“ beschrieben wurden, oder den substanziellen Bedrohungen der Lebensgestaltung der Mittelschichten in Ländern wie Griechenland oder Portugal kann man fragen, ob der Begriff „Statuspanik“ die Alarmglocke hierzulande nicht vielleicht doch etwas zu kräftig läutet. Es gibt aber in der Mittelschicht durchaus berechtigte und wachsende Sorgen um die eigene Zukunft und die der nachfolgenden Generation.

Welche Gründe gibt es für das Gefährdungsgefühl?

Es sind drei Entwicklungen, die auf die Lebenslagen und -gefühle einwirken. Zum einen verändert sich unser Wohlfahrtsstaat, dessen Ausbau in den 1960er und 1970er Jahren ja zum Aufbau der gesellschaftlichen Mitte entscheidend beigetragen hat....

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