Ungeplante Reise

Nach einer Krebsdiagnose fallen Betroffene aus dem normalen Alltag heraus. Was kann helfen?

Eine Frau mit Krebsdiagnose steht vor gekreutzten Fäden auf deiner grünen Fläche und fragt sich, wer ihr helfen kann
Eine Krebsdiagnose ist bedrohlich und wirft uns aus dem Alltag. Wie kann man gut weiterleben? © Julia Hosse

Als bei Corinna Fuchs-Laubach im Jahr 2015 Brustkrebs diagnostiziert wurde, begann sie, nach Informationen zu googeln: „Ich hatte das Bedürfnis, in kürzester Zeit möglichst viel zu erfahren“, erzählt die heute 45-Jährige. Ganz ähnlich ging es Maria Therese Vijver. Nach ihrer Diagnose, die ebenfalls ein paar Jahre zurückliegt, konsumierte sie alles, was sie in die Finger bekam: Studien, Fachbücher, Romane, Filme, Lebensgeschichten, Broschüren, Informationen von anderen Patienten aus einem Forum im Internet. Wie Corinna Fuchs-Laubach und Maria Therese Vijver bekommen jährlich knapp eine halbe Million Menschen in Deutschland zum ersten Mal eine Krebsdiagnose.

Die Berliner Psychoonkologin Nora Pauli sagt dazu: „Die Krankheit löst reflexartig Gedanken an Sterben und Leid aus und wirkt als eine existenzielle Bedrohung. Der Mensch befindet sich in einer Ausnahmesituation, die einen inneren Alarmzustand erzeugt. Das löst instinktive archaische Muster aus, die dem Überleben dienen.“ Einige Menschen würden handlungsunfähig und erstarrten. Andere hätten den Drang, sofort zu reagieren, möglichst viele Informationen zu sammeln und Meinungen einzuholen. Aufgrund der psychischen Überforderung werden die Informationen, die in unser Bewusstsein gelangen, gefiltert: „Patienten vergessen bis zu 80 Prozent der im Aufklärungsgespräch vermittelten Informationen.“ Das Denken sei eingeschränkt. Manchmal entstehe eine schützende Distanz zu den eigenen Gefühlen. Das Erlebte wirke dann surreal, wie in einem Film über das eigene Leben oder als sei dies alles ein schlechter Traum, aus dem man wieder aufwacht. „Es braucht jetzt Zeit, um zu verstehen und Entscheidungen treffen zu können“, sagt Pauli.

Die Zeit nach einer Krebsdiagnose vergleicht die Buchautorin und ehemalige Patientin Marijana Brdar mit einer ungeplanten Reise. Diese Reise, die mit einem Schock beginnt, sei in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich und mit einer Menge an Herausforderungen verbunden – Krebspatienten sind von...

Den kompletten Artikel können Sie bei uns kaufen oder freischalten.

Artikel zum Thema
Gesundheit
Wie kann man gut reagieren, wenn eine nahestehende Person erkrankt? Ein Interview mit der Psychoonkologin und Analytikerin Almuth Sellschopp.
Leben
Drei Bücher widmen sich dem tabuisierten Thema der Sterbebegleitung.
Gesundheit
Eine auf Hoffnung basierende Therapie kann helfen, die oft unterschätzte psychische Belastung von unheilbar Kranken zu reduzieren.
Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 8/2019: Paare im Stress
file_download print

Die Redaktion empfiehlt

Beziehung
Zweifel an der eigenen Beziehung sind eine große Belastung – für den Partner und insbesondere den Betroffenen.
Gesellschaft
Selbsttötungen und Suizidgedanken sind weiter verbreitet, als man meint. Doch niemand spricht darüber. Dabei könnte genau das Leben retten.
Beziehung
Die Liebe zu begreifen ein schwieriges Unterfangen. Sie ist weder rein körperlich noch rein geistig. Was hat es mit ihr auf sich?