Fotografie und Psychologie

Psychologie spielt beim Fotografieren immer eine Rolle, sagt der Psychotherapeut Sven Barnow. Ein Gespräch über Sehgewohnheiten, gute Bilder und Fotos als Mittel in der Psychotherapie.

„Das Wichtigste für gute Fotos ist die Motivation“

Ob Selfie, Porträt oder Landschaftsaufnahme: Psychologie spielt beim ­Fotografieren immer eine Rolle, sagt Sven Barnow. Ein Gespräch über Sehgewohnheiten, gute Bilder und den Einsatz der Fotografie in der Therapie

Herr Professor Barnow, heutzutage werden allein über soziale Netzwerke täglich mehr als drei Milliarden Fotos ins Internet geladen und geteilt. Wie prägt uns die Allgegenwart der Bilder?

Dazu muss man zunächst sagen, dass wir etwa 60 bis 80 Prozent aller Informationen visuell aufnehmen und verarbeiten – das liegt uns einfach nahe, und deshalb hat die Fotografie auch so einen Stellenwert. Die technische Revolution ermöglicht heute jedem, überall zu fotografieren, und das senkt die Hemmschwelle. Bilder sprechen für sich: Wenn wir eins in ein soziales Netzwerk stellen, müssen wir nichts erklären – und bekommen zudem Feedback. Von dieser Anerkennung durch andere sind wir alle mehr oder weniger abhängig; je mehr, desto mehr tendiert man auch dazu, solche Medien zu nutzen und Momente so festzuhalten. Wenn ich dabei überwiegend positives Feedback bekomme, setzen Konditionierungs- und Verstärkungsprozesse ein, und dann zeige ich das Verhalten noch öfter.

Stanley Milgram schrieb 1977 in Psychologie Heute, die Menschen seien von einem „unstillbaren Verlangen erfasst, sich starre Bilder von Personen und Situationen zu machen, auf die sie später immer wieder zurückgreifen können“.

Ich bin mir nicht sicher, ob das so noch stimmt. Damals war Fotografieren sehr aufwendig. Dadurch, dass die Zugänglichkeit mittlerweile so groß ist, ist es nicht mehr ein so bewusster Prozess. Fotografie hat nicht mehr die psychologische Tiefe, die sie irgendwann vielleicht einmal hatte. Früher musste ich investieren: Ich musste ins Labor, das Bild entwickeln lassen, und ich habe in Kauf genommen, dass nur ich es mir anschaue und vielleicht meine Familie. Da war der Zweck ein ganz anderer. Heute geht das meiste in soziale Netzwerke. Fotografie ist mittlerweile primär Produzieren und Teilen.

Viele Menschen fotografieren heute vor allem sich selbst. Woher kommt die Lust an Selfies?

Erst mal durch die Technik: Man hat eine Front-kamera am Handy, die das ermöglicht, es gibt diese Sticks und so weiter – der Markt bestimmt unser Verhalten durch neue Produkte ja auch immer ein Stück. Dann spielt hinein, dass das, was wir ­Individualismus nennen, Autonomie und Selbst-verwirklichung, in der Gesellschaft immer wichtiger wird, und das versuchen die Menschen mit ver-schiedenen Mitteln zu transportieren – zum Beispiel über Selfies. Es reicht nicht mehr, selbst etwas zu erleben, sondern andere sollen sehen, wo ich bin, über was ich reflektiere, wie mein Leben ist. Das wertet mich auf.

Über ein gepostetes Selfie bin ich zudem mit anderen verbunden, selbst wenn ich allein bin, fühle ich mich nicht so. Das ist auch ein Bekämpfen von Langeweile, Einsamkeit – Situationen, die wir dank der Technik kaum mehr ertragen können. Über das Selfie habe ich sofort Kontakt, bekomme eine Reaktion – ich bin beschäftigt. Ich glaube, das Bedürfnis, seine Eindrücke sofort zu teilen und zu einer Community zu gehören, wird immer stärker.

Wie müssen Fotografien denn grundsätzlich beschaffen sein, damit wir sie als gut empfinden?

Darüber entscheiden die vier Dimensionen Lichtsetzung, Gestaltung oder Komposition, Emotion und Geschichte. Ganz wichtig ist Emotion: Ein Bild, das nichts an emotionalem Erleben auslöst, klicken wir sofort weiter. Und dann die Geschichte: Schaue ich ein Bild an, frage ich: Was passiert da eigentlich? Wenn alle Komponenten erfüllt sind, also das Foto gut komponiert ist, die Lichtsetzung stimmt, aber vor allem wenn es Emotionen auslöst und zum Nachdenken anregt, haben wir ein Bild, das vielleicht nicht alle Menschen mögen, aber das sie zumindest anschauen werden.

Hat sich unsere Wahrnehmung von „guten Bildern“ über die Jahre verändert?

Ich fürchte, das ist ein bisschen so, als würde man nur Junkfood essen und dann zum guten Italiener gehen – man begreift plötzlich wieder, was Qualität ist. All die Menschen, die heute einfach so Bilder machen, haben ja eigentlich keine Ahnung, wie ein Foto wirkt oder warum sie eins besser finden als das andere. Ich glaube also nicht, dass da etwas Positives passiert. Das sieht man auch daran, dass zum Beispiel in der Straßenfotografie vor allem Bilder von Künstlern der 1960er, 1970er Jahre bekannt und berühmt sind. So ein Bild schaut man an und weiß, von wem es ist. Das gelingt nur ganz wenigen Fotografen, trotz Milliarden von Fotos. Die meisten bleiben heute eher oberflächlich. Da kann die Technik noch so gut sein – ihre Bilder bleiben belanglos.

Wie geht man beim Fotografieren am besten vor, was empfehlen Sie?

Man muss eine Bindung zur Situation herstellen und ein Gefühl dafür haben, was man darstellen will. Wenn ich beispielsweise eine Person fotografiere, sollte ich wissen, was ich von dieser Persönlichkeit zeigen möchte, und bei Naturaufnahmen genauso. In meinem Kopf ist das Bild schon fertig, und dann schaue ich, wie ich das umsetzen kann, nicht umgekehrt. Viele nutzen die Technik, mit der sie hintereinander Hunderte von Bildern machen können, und wählen dann einfach eins aus, das aus Zufall besser erscheint als die anderen. Da gestalte ich gar nichts, sondern reagiere nur.

Nun fotografieren viele, aber nicht jeder gleich gerne. Wovon hängt das ab?

Wenn ich ein visueller Typ bin, der sich kreativ ausdrücken will, und wenn ich gleichzeitig vielleicht noch schlecht darin bin, Dinge aufzuschreiben oder zu zeichnen, wie es bei mir der Fall ist, ist die Fotografie ein guter Ersatz – weil sie einfacher umzusetzen ist. Manchmal fotografiere aber auch ich nicht gern, in anderen Situationen habe ich ein starkes Verlangen danach. Das ist ein motivationaler Prozess, der nicht überfordert werden darf. Sich zu beschränken, Pausen zuzulassen hält die Motivation aufrecht und macht weniger abhängig von äußeren Faktoren.

Was verraten meine Fotos über mich?

Man kann darüber erahnen, ob jemand eher oberflächlich ist oder eine tiefere Persönlichkeitsstruktur hat, zu Melancholie neigt oder eher extravertiert ist. Sind die Fotografien fröhlich, traurig, farbig, schwarz-weiß, klein, groß, die Motive eher zentral oder an den Rand gesetzt?

Der Perfektionist zum Beispiel fotografiert vielleicht eher kleine Motive, weil er über große keine Kontrolle hat. Und beim extravertierten Kreativen, der überall zu Hause ist, kommen vielleicht knallige Farben, symmetrische und asymmetrische Formen zusammen. Das, was mich selbest anspricht, versuche ich meist auch visuell festzuhalten.

Gibt es Eigenschaften oder Fähigkeiten, die profilierte Fotografen in gleicher Weise mitbringen?

Auf alle Fälle. Wie immer, wenn man etwas erreichen will, ist Disziplin das Wichtigste – und die Offenheit, sich weiterzuentwickeln, aus Fehlern zu lernen. Eine gewisse Kreativität braucht man, die Fähigkeit zum Perspektivwechsel und zur Kommunikation – man wird zum Beispiel nie ein gutes Porträt machen, wenn man nicht empathisch ist oder mit anderen komisch umgeht. Und natürlich ist auch ein gewisses Talent für Licht und Gestaltung nötig, dass man ein bisschen Gefühl dafür hat, was eine symmetrische, schöne Komposition ist. Aber an erster Stelle stehen die Disziplin und das Tun: Immer wieder fotografieren, sich ausprobieren, die nächste Anstrengung in Kauf nehmen, sich kritisch hinterfragen.

Macht das Sujet, auf das sich jemand konzentriert, einen Unterschied?

Ich glaube schon. Wenn Sie Naturfotograf sind, ist das ein komplett anderes Fotografieren, als wenn Sie mit Menschen arbeiten. Mit Menschen müssen Sie immerzu kommunizieren, Sie haben nicht viel Zeit zu komponieren und müssen alles schon vorher geplant haben. Auf ein Naturerlebnis können Sie sich stärker einlassen und sich viel Zeit für technische Aspekte, Lichteinfall und so weiter nehmen.

Was kann ich denn tun, um bessere Fotos zu machen? Kann die Psychologie da helfen?

Das Wichtigste für gute Fotos ist die Motivation, und da hilft die Psychologie. Über sie kann ich verstehen, was ich mit der Fotografie ausdrücken will und ob ich dabei ein positives Gefühl habe – wenn ich nur daran denke, wo ich publizieren will, werde ich das wahrscheinlich nicht erreichen. Am besten stellt man sich folgende Fragen: Warum fotografiere ich? Was will ich bewirken? Was macht das mit mir? Wenn ich verstanden habe, worum es bei mir geht, sind wir bei der Psychologie. Und dann verengt es sich auch: Man hört auf, Hunderte Fotos von allem möglichen Unsinn zu machen, sondern fängt an, gezielt zu fotografieren. Weil man seine Vorliebe kennt und plötzlich spürt: Wow, da passiert etwas in mir.

Welche Rolle spielt Kreativität, Talent?

Talent wird überschätzt, gerade bei der Fotografie. Das, was man dazu technisch braucht, was man wirklich beherrschen muss, kommt über die Erfahrung. Es gibt vielleicht zehn wesentliche Punkte, die man irgendwann begreifen muss, und das kann jeder relativ schnell lernen.

Wie wichtig ist die technische Ausstattung?

Für den Normalfall spielt das keine Rolle: Ich kann mit jeder Kamera, die heute auf dem Markt ist, super Bilder machen.

In Ihrem Buch beschreiben Sie auch das Gear Acquisition Syndrome (GAS).

Nach meinen Vorträgen fragen mich, ganz interessant, primär Männer, mit welcher Kamera und welchem Objektiv ich ein Bild gemacht habe – weil sie glauben, wenn sie beides hätten, könnten sie es genauso machen. Das ist natürlich Quatsch. Sie müssen ihren eigenen Weg finden, gute Bilder zu machen, unabhängig von der Kamera. Diese Überschätzung von Technik, das stundenlange Gerede darüber: Leute, die dafür sehr anfällig sind, kriegen oft so ein GAS. Die müssen jede neue Kamera kaufen, geben unglaublich viel Geld dafür aus – und machen meist sehr schlechte Bilder.

Für Sie ist Porträtfotografie die wichtigste Richtung. Was ist das Besondere?

Einen Teil der Persönlichkeit eines Menschen festzuhalten, ohne dass er eine soziale Rolle spielt. Der Prozess ist deshalb so intensiv, weil der Aufgenommene die ersten Bilder, bei denen er die Posen sein lässt, in der Regel fürchterlich findet. Ich bespreche mit den Menschen, die ich aufnehme, dann immer, dass wir einfach noch ein wenig weitermachen. Wenn sie sich dann plötzlich authentisch begegnen, sehen, wer sie wirklich sind, kann das tiefe Traurigkeit auslösen, aber auch so ein Gefühl, dass man sich gar nicht ständig verstellen oder etwas darstellen muss. Das hat etwas Befreiendes.

Was ist im Verhältnis Fotograf/Modell entscheidend, damit so ein Foto gut wird?

Absolutes Vertrauen. Wenn das Modell angespannt ist, sieht man das auf dem Foto, dann sind die Augen zusammengekniffen, es wird asymmetrisch im Gesicht und so weiter.

Wie lange dauert es, so eine Atmosphäre zu schaffen?

Manche Fotografen sagen, sie schaffen das in zwei Minuten. Aber ich glaube, dass dafür Beziehungsaufbau nötig ist. Ich mache meist drei Sitzungen à zwei Stunden. Dabei erschöpfe ich die Leute auch. Denn wenn sie erschöpft sind, lassen sie sich fallen, und dann entstehen oft die besten Bilder.

Nicht jeder lässt sich gerne fotografieren. Was spielt da eine Rolle?

Die meisten Menschen sind nicht begeistert, wenn sie mit ihrer Stimme oder dem eigenen Bild konfrontiert werden. Deswegen gibt es ja auch dieses Rollengehabe und die Versuche, sich von seiner Schokoladenseite zu zeigen. Je weniger jemand in sich ruht und je geringer sein Selbstwertgefühl ist, desto problematischer ist es für ihn, sich abbilden zu lassen. Denn da besteht immer die Gefahr, dass andere etwas entdecken, das unzulänglich ist und er verstecken will. Wenn ich selbstbewusst bin, lasse ich mich in der Regel auch eher fotografieren.

Wie lässt sich Fotografie therapeutisch nutzen?

Da gibt es gibt verschiedene Techniken. Eine ist die biografische Arbeit. Dabei schaut man mit dem Patienten zusammen Familienbilder an, um zu erkunden, wie die familiäre Konstellation ist und ob beispielsweise wirklich alle Situationen immer angespannt waren oder es auch schöne Momente gab. Gerade traumatisierte Patienten haben wenig Erinnerungen an ihre Biografie, und die Bilder helfen dabei, dass diese wieder deutlicher werden.

Eine zweite Technik ist das Exponieren mit dem authentischen Selbst. Das Ziel dabei ist ein möglichst ungestelltes Porträt des Patienten. Als Fotograf beschreibt man, was passiert, wenn man die Person aufnimmt, und fragt später, wenn wir das Bild betrachten, was sie sieht. Wenn der Patient sagt, das ist jemand, der zu viele Falten hat und abgespannt aussieht, ich sehe nichts Schönes, kann ich als Therapeut fragen: Wie ist das, wenn ich schon bei mir selbst nur Fehler und Probleme sehe? Wie soll es mir dann gelingen, anderen Menschen gegenüber milder zu sein? Über so einen Prozess kann man kognitive und emotionale Stile deutlich machen und mit Techniken arbeiten, über die man Akzeptanz für sich entwickelt.

Gibt es auch Methoden, bei denen der Patient selbst fotografiert?

Ja. Beim emotionalen Tagebuch zum Beispiel nimmt er auf, was in seinem Leben wichtig ist, und dann diskutiert man über die Bilder. Was haben Sie ausgewählt in der letzten Woche? Vielleicht war es nur das Kind, ein Baum oder eine andere Sache, und dann bespricht man, warum und wie viel davon gerade in seinem Leben ist, ob das zu wenig ist, zu viel – so was. Dann gibt es noch die Technik, Emotionen zu fotografieren. Dabei versucht der Patient, den eigenen Gefühlszustand in ein Bild umzusetzen. Das ist besonders gut für Menschen, die Probleme mit dem emotionalen Erleben haben. Sie sehen dann, dass es etwas mit ihrer Stimmung zu tun hat, wenn sie zum Beispiel ein Bild von einem verschrumpelten Blatt machen.

Durch die Fotografie habe ich einen visuellen Stimulus, mit dem ich direkt in die Emotion hineingehen kann, damit kann der Patient mehr anfangen, als wenn ich das rein kognitiv oder abstrakt mache. Und vor allen Dingen agiert er dabei selbst. Das verändert ihn natürlich auch wieder ein wenig. Wenn er erst mal anfängt zu begreifen, dass er an einem Tag, wo er sich hilflos gefühlt hat, nur Bilder gemacht hat, die ihn entfernt von allem zeigen, kann er sich fragen: Gibt es eine Möglichkeit, so etwas zu erkennen und zu beeinflussen? Das kann man auch als fotografische Technik einsetzen und als Therapeut sagen: Gehen Sie mal dichter dran, setzen Sie sich mehr damit auseinander. Das ist dann auch wieder ein körperbezogener, emotionaler, kognitiver Prozess.

Wie verbreitet ist, dass Psychologen oder Psychotherapeuten mit solchen Mitteln arbeiten?

Ursprünglich kommen die Methoden aus den USA und Kanada. Aber auch in Deutschland gibt es inzwischen einige Therapeuten, die Fotografie nutzen, und Kunsttherapeuten arbeiten natürlich auch mit solchen Mitteln. Allerdings passiert das alles nicht sehr systematisch und ist vor allen Dingen nicht wissenschaftlich erforscht. In Heidelberg planen wir derzeit erste Arbeiten, die untersuchen, wie man über Fotografie therapeutische Effekte erreichen kann.

Wann ist der Einsatz in der Therapie sinnvoll?

Die biografischen Techniken sind vor allem für Patienten hilfreich, die große Erinnerungslücken oder sehr festgelegte Meinungen über ihre Biografie haben. Sie müssen aber natürlich auch Zugang zu den Bildern haben und bereit sein, diese mitzubringen.

Methoden wie das Emotionstagebuch eignen sich für alle Patienten, bei denen es darum geht, wieder Zugang zu kreativen Prozessen zu finden, und die auch Lust dazu haben – wo man merkt, da ist etwas, das durch die Depression komplett überdeckt wird. Dann kann man ganz gezielt Aspekte herausstellen, beispielsweise jemanden für seine Kreativität loben, von der er vielleicht dachte, dass er sie gar nicht mehr hat. Es geht ja auch darum, positive Emotionen zu befördern und nicht immer nur negative abzubauen.

Wenn jemand aber überhaupt nichts mit Fotografie anfangen kann, werden diese Methoden zu nichts führen. Und sehr schwer depressive Patienten würde ich damit nicht behandeln. Da ist die Gefahr zu groß, dass sie alles als Misserfolg bewerten.

Sie haben schon Fotoprojekte mit Therapiepatienten durchgeführt. Worum ging es dabei?

Es gab mehrere Projekte, die zur Enttabuisierung von psychischen Störungen beitragen sollten. Das erste war „Therapie wirkt“, wo wir geschaut haben, wie Mimik und Gestik zu Beginn und Ende der Therapie sind. Dann gab es ein Projekt mit Studenten, bei dem wir Borderlinepatienten fotografiert und zu ihrer Störung befragt haben, und das Gleiche für Essstörungen. Das war tatsächlich Lehre, Therapie und Diagnostik in einem: Die Studenten haben dabei viel mehr über die Störung gelernt, als wenn ich ihnen diese nur rein rational vermittelt hätte. Und die Patienten haben die Arbeit als Teil des therapeutischen Prozesses erlebt und gerade die Nähe und Annahme durch die Studenten als heilsam empfunden.

Was unterscheidet Fotografie von anderen therapeutischen Mitteln?

Wenn man es richtig macht, entschleunigt man automatisch, weil man sich fokussiert. Fotografieren ist zudem technisch einfach, man kann alles auf Automatik lassen und muss nur abdrücken. Und man sieht ohne Probleme sofort das Ergebnis, kann darüber reflektieren und es überallhin mitnehmen. Es gibt wenige Techniken, wo das alles möglich ist. Zudem hat Fotografie, anders als viele andere Methoden, etwas mit unserem Lebensalltag zu tun. Jeder kann damit etwas anfangen.

Sven Barnow ist Psychologe und Psychotherapeut. Er leitet die Arbeitseinheit Klinische ­Psychologie und Psychotherapie an der Universität ­Heidelberg. 2016 ist sein Buch ­Psychologie der Fotografie: Kopf oder Bauch? bei dpunkt erschienen

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 1/2018: Das erlaube ich mir!
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