Meinst du wirklich, was du sagst?

Zweifeln Sie manchmal an Ihrer Wahrnehmung? Suchen Sie nach versteckten Wahrheiten in den Äußerungen anderer? Wissen Sie oft nicht, woran Sie sind? Dann sind Sie möglicherweise Opfer einer paradoxen Kommunikation

Meinst du wirklich, was du sagst?

Zweifeln Sie manchmal an Ihrer Wahrnehmung? Suchen Sie nach versteckten Wahrheiten in den Äußerungen anderer? Wissen Sie oft nicht, woran Sie sind? Dann sind Sie möglicherweise Opfer einer paradoxen Kommunikation

Vier ganze Monate hatte die Architektin Clara den wichtigen Kundentermin vorbereitet. Sie hatte Powerpoints erstellt, Modelle gebaut, sogar 3-D-Simulationen des Bürogebäudes entworfen, das sie ihren Kunden vorstellen wollte. Am Tag der Präsentation zahlte sich die harte Arbeit aus: Der Kunde lobte ihren Entwurf und stellte viele interessierte Fragen. „Gut gemacht“, sagte Claras Chef, als die Kunden im Fahrstuhl verschwunden waren. Dabei schaute er sie allerdings kaum an und legte seine Stirn in Falten. Alles an ihm schien auszudrücken: „Das hätte besser laufen können.“ Clara spürte Verunsicherung. War ihr Chef wirklich zufrieden? Fand er die Präsentation tatsächlich gelungen? Was sollte sie glauben? Den Rest des Tages überlegte sie, was schiefgelaufen sein könnte.

Claras Verwirrung ist die typische Folge eines Kommunikationsmusters, bei dem ein Gesprächspartner auf verschiedenen Kanälen widersprüchliche Botschaften aussendet. Wenn wir mit anderen Menschen kommunizieren, vermitteln wir ihnen nicht nur Sachinformationen, sondern auch nonverbale Informationen. Durch Körpersprache, Gestik und Mimik äußern wir unsere Stimmungen und Gefühle. Sie nehmen eine ebenso wichtige Rolle ein wie die eigentlichen Inhalte des Gesprächs. Und auch unsere Gesprächspartner reagieren darauf: Ihre Antworten sind geprägt von ihren Wahrnehmungen unserer nonverbalen Botschaften und ihren eigenen Gefühlen und Haltungen. Der Kommunikationsforscher Paul Watzlawick schrieb, dass Kommunikation wie ein ewiger Kreislauf funktioniere: Sender und Empfänger reagierten auf verschiedenen Kanälen immer wieder aufeinander. Unsere Kommunikation lebt davon, dass wir das Gesagte und Gefühlte unserer Gegenüber aufnehmen und abgleichen – und so wertvolle Informationen erhalten, über die wir ins Gespräch kommen können. Je vertrauter wir einander sind, desto besser geht das. Eine Irritation entsteht jedoch, wenn die verbalen und nonverbalen Signale eines Menschen nicht übereinstimmen. Der Zuhörer weiß dann nicht, was er glauben und tun soll – und wähnt sich in einer Art Zwickmühle. Dieser Zustand wird im Englischen double bind genannt.

Im Alltag begegnen wir Double-Bind-Kommunikationsmustern häufig. Auf die Frage „Geht’s dir gut?“ antwortet die Nachbarin vielleicht: „Alles bestens“, obwohl die tiefen Schatten unter ihren Augen unübersehbar sind und der heftige Ehestreit jeden Abend durch die Wand zu hören ist. Ihr Lächeln...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 2/2017: Schon in Ordnung
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