Je älter, desto ausgeglichener

Psychologen gingen lange davon aus, dass mit den Jahren die Freude schwindet. Doch Alternsforscherin Gloria Luong kommt zu einem anderen Schluss.

Vorteil für Ältere: Positive Emotionen treten im Alter stärker hervor. © Asuka Grün

Je älter, desto ausgeglichener

Gesundheitlich ist Älterwerden nichts für Feiglinge. Gilt das auch für unser Gefühlsleben? Tatsächlich gingen ­Psychologen lange davon aus, dass mit den Jahren die Freude schwindet und der Verdruss wächst. Doch die Alternsforscherin Gloria Luong kommt nun zu dem Schluss: Meist ist es genau umgekehrt

Wenn Sie den Fernseher einschalten, treffen Sie dort womöglich auf Menschen über sechzig, die als depressiv oder als einsame alte Griesgrame dargestellt werden. Aber wenn Sie dann den Kanal wechseln, könnte es sein, dass Sie da Bilder von liebenswerten und liebevollen Großeltern sehen. Ist das spätere Erwachsenenalter also eine Zeit von Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung oder die Blüte des Lebens?

Es ist kein Geheimnis, dass Altern mit mancherlei Abbau und unerwünschten Veränderungen verbunden ist. Eine volle Kopfbehaarung dünnt aus, und seltsame Attribute des Körpers wie etwa die Ohren treten hervor. Die Haut hängt herab und runzelt sich, das Augenlicht lässt nach, und Hören erfordert besondere Anstrengung. Zu den Veränderungen des körperlichen Erscheinungsbildes kommen oft Gesundheitsprobleme, und das Gedächtnis wird unschärfer. Prominente Alternstheorien gingen daher lange davon aus, dass auch emotionale Erfahrungen einen ähnlichen Werdegang in Richtung Dysfunktion nehmen. Sie lagen falsch.

In einer Studie von Laura Carstensen von der Universität Stanford und ihren Kollegen trugen die Teilnehmer eine Woche lang ständig einen Piepser mit sich herum. Der meldete sich immer wieder im Laufe des Tages zu zufälligen Zeitpunkten, und die Teilnehmer hatten dann die Aufgabe, zu...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 9/2018: Die Kraft des Verzeihens
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