Wehe, wenn es dunkel wird

Psychologie nach Zahlen: 6 psychologische Erkenntnisse, die es ratsam erscheinen lassen, sich vor der Finsternis in Acht zu nehmen

Die Illustration zeigt Menschen nachts unter einer Straßenlaterne. Die Personen unter dem Leuchtkegel sind freundlich und höflich zueinander. In der Dunkelheit wird gepöbelt, gestritten und gestohlen.
Im Licht verhalten sich Menschen freundlich und höflich, in der Dunkelheit stehlen, schlagen und brüllen sie. © Till Hafenbrak

Gedimmtes Licht verleitet offenbar grundsätzlich zu ungesünderen Ernährungsentscheidungen. Forscher um ­Dipayan Biswas unternahmen eine Reihe einschlägiger Experimente, sowohl im Labor als auch in Filialen einer amerikanischen Restaurantkette. „Unsere Probanden neigten dazu, bei schwacher Raumbeleuchtung seltener gesunde Gerichte zu bestellen“, summieren die Forscher. Außerdem hatten diese Speisen durchschnittlich 39 Prozent mehr Kalorien als die Bestellungen bei besserem Licht. Wie das kommt? Die Wissenschaftler vermuten, dass schwächeres Licht uns weniger wachsam und aufmerksam handeln lässt. Biswas und seine Kollegen schlagen vor, sich diesen Effekt für bewusstere und gesündere Ernährungsentscheidungen im Alltag zunutze zu machen und den Spieß einfach umzudrehen: Wir sollten unsere Nahrung bei Lichte betrachten – und zum Beispiel für eine gute Beleuchtung in der Küche sorgen.

Literatur

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 12/2018: Der Ex-Faktor
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