Warum essen wir, was wir essen?

Warum essen wir, was wir essen?

Eine Gastrojournalistin, eine Kulturhistorikerin und ein Ernährungsmediziner beschäftigen sich mit unserem Essverhalten

„Essen ist eine Vitalfunktion, die – im Gegensatz etwa zum Atmen oder Schlafen – schon immer kulturell überformt ist“, so die Kulturwissenschaftlerin Christine Ott. Sie untersucht Essgewohnheiten und -vorlieben anhand von Filmen und literarischen Texten und analysiert Konzepte vom „homo edens“, dem essenden Menschen, wie sie von der Ernährungswissenschaft, der Psychoanalyse, Soziologie und Ethnologie vorgelegt wurden. Dabei zeigt sie, dass die Forschungsrichtungen kontrovers über Essen und Ernährungsfragen diskutieren. Psychologen und Psychoanalytiker, so die Autorin, werfen den Medizinern oft vor, den Essenden ausschließlich als ein vernunft- und disziplinfähiges Subjekt zu betrachten. „Die Psychoanalyse kann sich dabei auf Sigmund Freud berufen, der die ersten Esserfahrungen des Kindes als Basis für seine Identitätsentwicklung postuliert.“ Dem Freud-Schüler Karl Abraham zufolge bedeutet die Nahrungsverweigerung Hass und Ablehnung gegenüber der Mutter.

Dagegen vertraten die Autoren der „Gender Studies“ der 1980er Jahre die These, dass das soziokulturelle Umfeld der wahre Auslöser für essgestörtes Verhalten sei. Diese Tendenz zur Monokausalität sei fragwürdig.

Als ein Beispiel für die Infragestellung unserer Essensmythen analysiert Ott den Fellini-Film Das große Fressen, der entlang vulgärer Sex-und Völlereipassagen die Wohlstandsgesellschaft vorführt.

Eine der schönsten Speiseszenen der Weltliteratur verdankten wir Marcel Proust, der beschrieben...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 3/2018: Heilkraft Meditation
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