„Es gibt kein Recht auf Entschuldigung“

Wann kann man eine Entschuldigung erwarten, wie muss diese ausfallen? Und muss man Übeltätern verzeihen, wann darf man unversöhnlich bleiben? Aus Sicht der Moralphilosophie gibt es auf Fragen zum Thema „Schuld und Sühne“ keine einfachen Antworten, wie Susanne Boshammer, Professorin für praktische Philosophie, aufzeigt

„Es gibt kein Recht auf Entschuldigung“

Wann kann man eine Entschuldigung erwarten, wie muss diese ausfallen? Und muss man Übeltätern verzeihen, wann darf man unversöhnlich bleiben? Aus Sicht der Moralphilosophie gibt es auf Fragen zum Thema „Schuld und Sühne“ keine einfachen Antworten, wie Susanne Boshammer, Professorin für praktische Philosophie, aufzeigt

Frau Boshammer, als Moralphilosophin beschäftigen Sie sich auch mit moralischen Fehlern und wie wir damit umgehen. Wie muss man sich das konkret vorstellen, wie definieren Sie, was ein moralischer Fehler ist?

Ich verstehe Moral als eine Art Maßstab der Gestaltung von Beziehungen. Seine Besonderheit besteht darin, dass Moral unseren Umgang miteinander reguliert, unabhängig von unseren konkreten sozialen oder emotionalen Bindungen. Dabei ist zentral, dass jede und jeder von uns die gleichen grundlegenden Ansprüche geltend machen kann: Wir dürfen voneinander erwarten, dass wir bestimmte Dinge füreinander tun und andere niemandem antun – egal, ob wir uns kennen und mögen, miteinander verwandt oder einander unbekannt sind. Moralische Fehler verletzen diese Ansprüche, und mich interessiert, was das mit der Beziehung zwischen Menschen macht, und wie sich die Störung infolge eines Unrechts reparieren oder besser: integrieren lässt.

Nehmen wir zunächst die Sicht eines Betroffenen ein: Wann können wir eine Entschuldigung einfordern?

Grundsätzlich haben wir diesen Anspruch nur, wenn uns wirklich Unrecht geschehen ist. Das zu betonen ist wichtig, weil wir im Alltag häufig übersehen, dass es einen Unterschied gibt zwischen...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 3/2015: Vorwärts Leben
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