Unsere Nächsten: die Nachbarn

Die Nachbarn: Sie leihen uns Eier und nehmen die Post an. Über eine Beziehung zwischen Unterstützung und sozialer Kontrolle.

Foto zeigt einen Mann, der seine Haustür aufschließt
Nach Hause kommen: Schön, wenn man sich auch mit den Nachbarn gut versteht. © Andreas Herzau

Wenn Sarah Balthes nach einem Urlaub ihren Koffer von der Bahn zu ihrer Altstadtwohnung rollt, kann es passieren, dass der Kneipenbesitzer von gegenüber kurz vor die Tür tritt, um ihr Hallo zu sagen und ein Pläuschchen zu halten. „Dann weiß ich: Hier bin ich zu Hause, hier fühle ich mich wohl“, sagt die 50-Jährige. „Dieses Heimatgefühl ist für mich in den letzten Jahren immer wichtiger geworden.“

Seit fast zwei Jahrzehnten lebt sie hier. Mit den Bewohnern ihres Mietshauses ist sie per du, die von nebenan und vis-à-vis kennt sie zum Teil mit Namen, manchen bringt sie in der Weihnachtszeit selbstgebackene Plätzchen vorbei. Mit anderen hat sie sich zwar noch nie unterhalten, so wie mit dem Mann, der fast jeden Samstagabend biertrinkend vor der Eckkneipe sitzt, aber ihre Gesichter gehören trotzdem zum Viertel. „Ich mag es, wenn man sich kennt, vielleicht auch mal ein paar Worte miteinander wechselt oder einen Kaffee zusammen trinkt“, sagt sie. Ihr gefällt die Nähe, die sie zum Beispiel spürt, wenn sie mitbekommt, dass die Nachbarin krank ist – einfach weil sie sie ein paar Tage nicht gesehen hat.

Sie ist aber auch schon einmal mit einem ihrer Nachbarn heftig aneinandergeraten, fast bis zum Rechtsstreit. Ein Bäcker in ihrem Wohnblock hatte seine Belüftungsanlage umgestellt. Mit der Folge, dass nun Nacht für Nacht ein niederfrequentes Brummen Balthes um ihren Schlaf brachte. Inzwischen hat sich die Lage beruhigt. Doch der Frieden ist fragil. Die Rheinländerin möchte nicht mit ihrem echten Namen im Artikel auftauchen, um nicht zu riskieren, dass der Konflikt wieder aufbricht.

Nachbarschaft hat zwei Seiten: Sie bietet Raum für zwischenmenschliche Kontakte, und sei es nur der rasche soziale Schnack für zwischendurch. Nachbarn können aber auch nerven, uns den Schlaf und den inneren Frieden rauben.

Nachbarschaft ist unentrinnbar

Meist suchen wir uns gut aus,...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 6/2019: Vom Glück, Verantwortung zu teilen
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