Die Folgen von Gewalt

07. November 2008
 

Gewalt ist weltweit eines der größten Gesundheitsrisiken für Frauen und Kinder. Neben den direkten Folgen wie Verletzungen und Schmerzen tragen die Opfer auch erhebliche psychische Schäden davon, die ihr Leben dauerhaft beeinträchtigen können. Das Robert-Koch-Institut hat jetzt in einer Broschüre zusammengetragen, was man heute über die gesundheitlichen Folgen von Gewalt weiß.

Der Fokus der Wissenschaftler liegt darin auf der häuslichen Gewalt gegen Frauen – besteht doch im eigenen Heim die größte Gefahr. So hat etwa jede vierte Frau in Deutschland mindestens einmal körperliche oder sexuelle Gewalt durch einen Partner erlebt. Zählt man auch Übergriffe durch andere Täter hinzu, steigt die Zahl der betroffenen Frauen auf 37 Prozent. Zur Gewalterfahrung von Männern liegen keine detaillierten aktuellen Informationen vor, Studien aus den 1990er Jahren zufolge werden sie aber gleich häufig wie Frauen und zum Teil sogar häufiger zum Opfer.

Auch Gewalt gegen Kinder findet überwiegend in der Familie statt. Der Einsatz körperlicher Züchtigungen als Erziehungsmaßnahme geht zwar seit Jahren zurück – nicht aber die Kindesmisshandlungen: Diese schwere Form der Gewalt, etwa durch Faustschläge, Tritte oder Verprügeln, erleben nach wie vor 10 bis 15 Prozent aller Kinder.

Die Vorstellung, häusliche Gewalt komme nur in sozial schwachen oder bildungsfernen Bevölkerungsschichten vor, müsse relativiert werden, betonen die Forscher. Hier lasse sich kein einfacher Zusammenhang nachweisen. Einer der wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung von Gewalt sei vielmehr eigene Gewalterfahrung der Täter in Kindheit oder Jugend.

Die Gewaltforschung unterscheidet psychische, körperliche und sexualisierte Gewalt. Schlimme Folgen können alle diese Formen haben. Insbesondere beeinträchtigen allerdings frühe Gewalt in der Kindheit und häufige Übergriffe im Laufe des Lebens den psychischen und physischen Gesundheitszustand.

So leiden Menschen, die Opfer von Gewalt geworden sind, deutlich häufiger unter körperlichen und psychosomatischen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Magen-Darm-Problemen, Schwindel, Blutdruckschwankungen sowie gynäkologischen Beschwerden.

Zu den psychischen Folgen von Gewalt gehören Depressionen, Stresssymptome, Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörungen, Essstörungen und Suizidalität. Als unmittelbare Folgen nannten Betroffene etwa Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen, vermindertes Selbstwertgefühl, erhöhte Ängste und Konzentrationsschwäche. Bei Kindern mit Gewalterfahrungen wurden außerdem Beeinträchtigungen in der geistigen und emotionalen Entwicklung festgestellt.

Gewalt kann auch zu gesundheitsgefährdenden Verhaltensweisen führen: Im Versuch, die psychischen Belastungen zu bewältigen, greifen viele zu Zigaretten und Alkohol, aber auch zu Drogen oder Medikamenten.

Für Außenstehende sind diese Anzeichen allerdings nicht immer als Folgen von Gewalt erkennbar. Besonders Frauen schweigen aus Angst oder Scham sowie aus dem Gefühl heraus, für die Gewalt mitverantwortlich zu sein. Außerdem befürchten sie erneute Gewalttaten des Mannes, wenn die Probleme öffentlich werden. So sprächen viele betroffene Frauen nicht von sich aus über die erlittene Gewalt, sondern hätten den Wunsch, darauf angesprochen zu werden, betonen die Forscher.

Von Anke Römer

Quelle: Robert-Koch-Institut

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