„Ohne die Melancholie wäre mein Leben ärmer“

Im Gespräch äußert sich Bodo Kirchhoff zu seiner Auszeichnung mit dem Deutschen Buchpreis und die Widerfahrnisse seines Lebens.

Im Oktober 2016 haben Sie für Ihre NovelleWiderfahrnis den Deutschen Buchpreis bekommen. Mit Ihrem Roman Die Liebe in groben Zügen standen Sie 2012 bereits auf der Longlist. Warum hat der Preis so lange auf sich warten lassen?

Man will natürlich immer einem Autor mit einem Preis auch unter die Arme greifen und hat die Vorstellung, dass er der Hilfe bedarf. Das ist das eine. Das andere ist: Man will immer auch eine Entdeckung machen, man will durch einen Preis etwas ans Licht heben, was vorher eher im Dunkel war. Das wäre bei meinen früheren Büchern natürlich möglich gewesen, aber die waren zu anstößig. Ich habe Dinge geschrieben, die dann 20 Jahre später bei Michel Houellebecq auftauchten. Damals aber war es undenkbar, für einen so kalten Blick auf das Zwischenmenschliche auch noch eine Auszeichnung zu erhalten. Später, als sich mein Blick inzwischen verändert hatte, war ich dann schon zu prominent, und man hat meine Bekanntheit mit dem Bankkonto verwechselt und gedacht: Der braucht keinen Preis.

Natürlich freut mich der Preis für Widerfahrnis, es hätte mich aber wahrscheinlich mehr berührt, wenn ich ihn vor vier Jahren für Die Liebe in groben Zügen bekommen hätte.

Aber Widerfahrnis hat meiner Meinung nach diesen Preis mehr als verdient.

Es war eine sehr aufreibende Arbeit, die mich von Fassung zu Fassung mehr gefordert hat. Als sie nach der sechsten Fassung beendet war, hatte ich das Gefühl, das etwas gelungen ist, aber ich wusste nicht, was.

Das Buch...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 3/2017: Schwäche zeigen!
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