Keine Angst vor den trüben Tagen!

Für manche Menschen beginnt im Winter eine besonders schwierige Zeit – sie leiden unter der Winterdepression. Was sie tun können, um sich auch in der dunklen Jahreszeit wohl zu fühlen, erklärt der Mediziner Hubertus Himmerich.

Herr Himmerich, in Ihrem Buch warnen Sie davor, die Winterdepression und den Winterblues allzu stark zu psychologisiere und raten dazu, eher die biologischen und biochemischen Vorgänge für Diagnose und Therapie in Betracht zu ziehen. Welche sind das?

Die biologische Hauptursache für den Winterblues und die Winterdepression ist Lichtmangel. In unseren Breiten bekommen wir im Winter weniger Licht, weil die Tage kürzer sind und die Intensität des Sonnenlichtes geringer ist als im Sommer. Unser Körper empfängt das Sonnenlicht über das Auge und die Haut. Wenn Licht auf die Netzhaut trifft, gelangen von dort Informationen zur Zirbeldrüse, wo das Schlafhormon Melatonin synthetisiert wird. Licht unterdrückt die Melatoninproduktion. Ein Mangel an Licht lässt den Spiegel dieses Schlafhormons steigen. Das führt in der Nacht dazu, dass wir gut schlafen. Im Winter aber kann der Lichtmangel am Tage zu Müdigkeit und Antriebslosigkeit führen. Die Melatoninproduktion geschieht auf Kosten des Glücksbotenstoffs Serotonin. So wird auch unsere Stimmung beeinträchtigt.

Ein zweiter durch den Lichtmangel bedingter Risikofaktor für eine Winterdepression ist folgender: Licht wirkt über die Haut. Hier wird unter Einfluss von Sonnenlicht Vitamin D synthetisiert. Einige Studien konnten zeigen, dass die Winterdepression mit einem Vitamin-D-Mangel einhergeht.

Ein dritter Faktor besteht möglicherweise in den winterlichen Veränderungen im Immunsystem. Diese Veränderungen werden durch die häufigeren Infektionskrankheiten im Winter und durch die Wirkung des Melatonins auf die Immunzellen bewirkt. Erkältungen haben einen Einfluss auf die Entstehung...

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