„Ich habe früher ganz oft ,ich muss‘ gesagt“

Wir setzen uns durch die Art, wie wir reden, unnötig unter Druck, meint die Sprachwissen­schaftlerin Mechthild von Scheurl-Defersdorf. Sie ist überzeugt: Schon kleine sprachliche Änderungen können großen Einfluss haben

„Ich habe früher ganz oft ,ich muss‘ gesagt“

Wir setzen uns durch die Art, wie wir reden, unnötig unter Druck, meint die Sprachwissen­schaftlerin Mechthild von Scheurl-Defersdorf. Sie ist überzeugt: Schon kleine sprachliche Änderungen können großen Einfluss haben

Frau von Scheurl-Defersdorf, einen Satz wie „Ich mach mal schnell das Fenster zu“ sagen wir leicht, ohne nachzudenken. Was fällt Ihnen daran auf?

Er scheint auf den ersten Blick völlig normal zu sein, ganz gewöhnlich. Aber durch das Wort „schnell“ wirkt der Sprecher hektisch und je nach Situation oberflächlich. Wenn jemand manchmal „schnell“ sagt, wenn es passt, ist das in Ordnung. Doch wenn jemand das inflationär tut, macht ihm das auf Dauer Druck und beschleunigt ihn. Dann hängt er „schnell“ die Wäsche auf, fährt „schnell“ ins Büro, hat noch „schnell“ ein Gespräch zu führen. Mich interessiert die Wirkung der eigenen Sprache auf die Persönlichkeit, die eigene Ausstrahlung und natürlich auch auf die Kommunikation, die jemand führt.

Wir sagen „schnell“ ja aber auch im Sinne von „Ich will dich nicht lange aufhalten“. Das hat also viel mit Höflichkeit zu tun.

Mir ist ein wertschätzender Umgang mit dem Gesprächspartner grundsätzlich wichtig. Für die meisten ist „schnell“ einfach Gewohnheit. Es ist oft gekoppelt mit „muss“ oder gar „muss noch“. Und das hören manche ganz oft. Ich stelle mir immer vor, ich wäre Kundin und wünschte mir Beratung. Wenn dann jemand sagt: „Ich muss noch schnell nachschauen“, fühle ich mich weniger gut beachtet und geführt, als wenn ich höre: „Ich schau nach. Ich bin gleich für Sie da.“

Die meisten wissen gar nicht, wie sie sprechen, sagen Sie. Wenn wir uns unterhalten, habe ich also wahrscheinlich eine Vorstellung davon, was ich ausdrücken möchte, aber keine Ahnung davon, auf welche Art ich es sage.

Das stimmt. Wir haben kein natürliches Gefühl dafür.

Was heißt das?

Wenn...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 7/2015: Moment mal!
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