Der übliche Größenwahn

Ein Interview mit dem Therapeuten Theodor Itten über Politiker und Manager, die sich für die Größten halten

Er machte die Großmannssucht salonfähig: Donald Trump © Getty Images

„Politiker ohne Größenwahn sind selten“

Politiker oder Manager, die sich für die Größten halten, ­sind gefährlich. Sich selbst überschätzende Jugendliche oder Kreative leben ihre Visionen. Der Psychotherapeut Theodor Itten beschreibt die zwei Gesichter des Größenwahns und erklärt, was die Körpergröße damit zu tun hat

Herr Itten, Sie haben 2016 ein Buch über Größenwahn veröffentlicht. Kurz danach kam Donald Trump an die Macht. Haben Sie etwas von diesem Politiker geahnt, als Sie Ihr Buch schrieben?

Nein, aber plötzlich war er da, der größenwahnsinnige Trump. Als er eingezogen ist ins Weiße Haus, gab es einen Cartoon, auf dem sieht man, wie Arbeiter versuchen, ein Porträt von ihm durch die Tür zu bringen. Es ist zu groß, es passt nicht durch.

Alles an seiner Person und seinem Handeln hält Herr Trump für das Größte ...

Ja, groß, größer, größenwahnsinnig. Aber er ist nicht der einzige. Kim Jong-un, Erdoğan, Putin – sie alle plustern sich auf. Das sind Leute an den Schalthebeln der Macht, die den von ihnen Regierten eine auf ihre Deutungshoheit reduzierte Sicht der globalen Realität aufzwingen. Ein leider hochaktuelles Thema.

Aber ist der Größenwahn nicht ein Thema vermutlich aller Zeiten?

Doch, da haben Sie recht. Schauen Sie auf die Studien der Anthropologin Ruth Benedict mit den Kwakiutl-Indianern am nordwestlichen Pazifik. Schon diese Ureinwohner hatten die Eigenart, sich gegenseitig zu übertrumpfen, indem sie sich selbst überhöhten. Das Phänomen scheint also ewig, auf der...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 2/2018: Die Stärke der Stillen
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