„Keiner von ihnen hat widerrufen“

Woher nahmen die Mitglieder der Weißen Rose den Mut, sich gegen Hitler aufzulehnen? Und welche Voraussetzungen brauchen Menschen überhaupt, um Widerstand zu leisten? Ein Gespräch mit der Historikerin Miriam Gebhardt

„Keiner von ihnen hat widerrufen“

Woher nahmen die Mitglieder der Weißen Rose den Mut, sich gegen Hitler aufzulehnen? Und welche Voraussetzungen brauchen Menschen überhaupt, um Widerstand zu leisten? Ein Gespräch mit der Historikerin Miriam Gebhardt

Im Sommer 1942 verfassen zwei Medizinstudenten in München erstmals Flugblätter gegen die Nazis. Im Herbst stoßen weitere Freunde hinzu, sprühen in nächtlichen Aktionen Parolen an die Wände und verteilen heimlich Flugblätter. Ein Jahr später sind sie alle tot: Hans Scholl, Sophie Scholl, Christoph Probst, Kurt Huber, Alexander Schmorell und Willi Graf – Frau Gebhardt, die Widerstandsgruppe Weiße Rose bestand im Kern aus diesen sechs Personen, dennoch kennen die meisten Menschen heute nur noch die Geschwister Scholl. Warum?

Zum einen sicherlich, weil Hans und Sophie Scholl am 18. Februar 1943 beim Verteilen der Flugblätter auf frischer Tat ertappt wurden und die Gruppe damit aufflog. Das war der dramatische Höhepunkt ihrer Geschichte, die anderen Weiße-Rose-Mitglieder wurden dann unauffällig von der Gestapo aus ihren Betten geholt. Auch die Geschwisterkonstellation wie bei Hänsel und Gretel war sicher eine narrative Vorlage. Am prägendsten war aber wohl die dominante Rolle, die Inge Scholl gespielt hat. Die große Schwester von Hans und Sophie nahm das Gedenken an ihre Geschwister in die Hand und prägte damit den Diskurs. Spätestens seit den populären Filmen über Sophie Scholl würde ich aber ohnehin sagen, dass heute Sophie Scholl die Erinnerung an die Weiße Rose dominiert, obwohl sie bei der Entwicklung der Weißen Rose keine wichtigere Rolle gespielt hat als die anderen Mitglieder der Gruppe.

Das liegt vermutlich auch an der Tapferkeit, die Sophie Scholl bei den Verhören im Gestapogefängnis an den Tag legte. „Zusammenfassend möchte ich die Erklärung abgeben, dass ich für meine Person mit dem Nationalsozialismus nichts zu tun haben will“, soll sie dem Gestapobeamten Robert Mohr...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 9/2017: Wie tickt dieser Mensch?
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