Frust in Aktivität umwandeln

Die Psychologin Friederike Engst engagiert sich für Flüchtlinge – ausgerechnet in Dresden, der Hochburg von Pegida. Wie wurde sie zur Helferin? Was treibt sie an?

Frust in Aktivität umwandeln

Die Psychologin Friederike Engst engagiert sich für Flüchtlinge – ausgerechnet in Dresden, der Hochburg von Pegida. Wie wurde sie zur Helferin? Was treibt sie an?

Der erste Tag als freiwillige Helferin ist der Psychologin Friederike Engst bis heute in Erinnerung geblieben. Im Sommer 2015 war das. Der Junge, der vor dem Sanitätszelt ihre Nähe suchte, 17 Jahre alt vielleicht, den sie nicht wegschickte wie die anderen, weil er so verloren aussah. Der begann, Musik auf seinem Handy abzuspielen, um eine Verbindung zu ihr aufzubauen. Und ihr schließlich am Nachmittag folgte, mit großen, sehnsüchtigen Augen, weil er hoffte, sie könne ihm irgendwie helfen. Dem sie mit Gesten, für ihn unverständlichen Worten und Blicken klarmachen musste, dass sie ihn nicht mitnehmen konnte. Daraufhin sei er wütend weggegangen, erinnert sich Friederike Engst. Das habe sie nicht vergessen können. Obwohl sie wusste: Es war richtig. Andernfalls hätte sie Kompetenzen und Grenzen überschritten. Als sie wieder zu Hause war, überkam sie an diesem Sommertag ein schlechtes Gewissen. Sie schämte sich für den Wohlstand und die bestens organisierte Sorglosigkeit ihresLebens: „Ich hatte das Gefühl, das steht dir gar nicht zu. Dort leben Menschen in unwürdigen Bedingungen, sie leiden, und du legst dich in ein warmes Bett, machst die Tür zu und hast es gemütlich. Das ist bis heute geblieben.“

Wir schaffen das, hat Angela Merkel gesagt. Friederike Engst ist eine von vielen, die es auch nach dem gesellschaftlichen Stimmungsumschwung weiterhin schaffen wollen und sich in ihrer Freizeit für Flüchtlinge engagieren, die sie lieber „Geflüchtete“ nennt, weil das nicht so stark auf die...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 9/2016: Ich und glücklich?
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