Jenseits von Gut  &  Böse

Das ist gut, das ist schlecht. Das tut man, das tut man nicht. Wie kommen wir zu diesen Urteilen? Der Psychologe Kurt Gray gibt darauf eine überraschende Antwort

Jenseits von Gut  &  Böse

Das ist gut, das ist schlecht. Das tut man, das tut man nicht. Wie kommen wir zu diesen Urteilen? Der Psychologe Kurt Gray gibt darauf eine überraschende Antwort

Herr Gray, wenn wir moralisch urteilen, sagen wir meist: Diese Haltung oder Handlung ist gut, jene ist böse. Oder?

Das ist ein Grundprinzip, das offensichtliche. Aber nach jahrelanger Forschung haben wir ein anderes Prinzip jenseits von Gut und Böse entdeckt. Dieses System wird automatisch, ohne bewusstes Nachdenken aktiviert. Entscheidend für moralische Fragen ist, dass jemand zu Schaden kommt oder vor Schaden bewahrt wird.

Dann wäre jeder unabsichtliche Autounfall ein Fall für moralische Debatten.

Selbstverständlich nicht. Um etwas unter moralische Vorzeichen zu setzen, braucht es mehr. Wichtig ist dabei, dass Menschen einen willentlich Handelnden wahrnehmen – wir nennen ihn den Agenten. Auf der anderen Seite sehen sie jemanden, der die Handlungen des aktiven Agenten „erfährt“, sie duldet, von ihnen profitiert oder unter ihnen leidet. Wir bezeichnen ihn als moralischen Patienten. Beide bilden ein Gespann, die moralische Dyade. Diese Dyade ist für uns ein sehr basales Prinzip von Moralität. Wir ­betrachten Moral zwingend als zweidimensional: Wenn jemand eine gute Tat vollbringt, erkennt unser Gehirn immer jemanden, der davon profitieren muss. Wenn jemand leidet, muss irgendjemand oder irgendetwas daran schuld sein. Das ist die universale Blaupause, mit der wir alle moralischen Fragen abgleichen.

Wie kommt diese universale Blaupause in unseren Kopf?

Wahrscheinlich ist sie angeboren. Ich glaube, wir alle haben einen Prototyp von Moral in unserem Gehirn abgespeichert. Damit vergleichen wir dann unsere Wahrnehmungen und sagen: Aha, das ist eine moralische Frage, es gibt einen Agenten,...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 10/2016: Das stille Ich
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